Veränderte Sichtweise auf Ämter

Theologin: Kirche sollte Diakonat neu denken – für Männer und Frauen

Veröffentlicht am 09.03.2026 um 14:11 Uhr – Lesedauer: 

Zürich ‐ Soll der Diakonat für Frauen geöffnet werden? Die Theologin Esther Solari fordert, das Amt für beide Geschlechter neu zu denken. Für sie zählen weniger historische Begründungen als aktuelle Herausforderungen.

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Die Schweizer Theologin Esther Solari (27) rät dazu, den Diakonat neu als für Männer und auch für Frauen offenes Amt zu denken. In einem im schweizerischen Portal "kath.ch" am Sonntag veröffentlichten Interview sagte sie: "Eine solche Entwicklung würde der Gemeinschaft deutlich machen, dass der Herr sowohl Männer als auch Frauen beruft, seiner Kirche zu dienen, in einem Engagement, das aufgrund von Charismen vergeben wird, nicht primär aufgrund des Geschlechts."

Wenn die Rolle des Diakons neu besprochen würde, würde das aus ihrer Sicht dazu beitragen, zu hinterfragen, mit welchen Mitteln die Kirche ihre Mission am besten erfüllen könne. Solari sagte, es gehe nicht darum, "aus bloßer Sorge um Beständigkeit, aus Angst vor Veränderungen oder aus ideologischer Verbundenheit" ein System zu bewahren: "Kirchliche Strukturen haben nur insofern einen Sinn, als sie Christus und dem Wachstum seines Leibes, der Kirche, dienen."

Die Theologin betonte, in Zeiten von Priestermangel und Missbrauchsskandalen verändere sich die Sichtweise der Katholiken auf das Priestertum und andere Ämter. Laien nähmen einen immer größeren Platz im kirchlichen Leben ein, so dass ihr Engagement nicht nur fortgesetzt, sondern auch vertieft werden solle. "Dies ist zweifellos eines der Zeichen der Zeit, das die Kirche voller Hoffnung erkennen sollte."

Kritik an historischer Argumentation

Die oft als Argument für oder gegen den Diakonat der Frau angeführte Frage, ob es schon im frühen Christentum Diakoninnen gegeben habe oder nicht, hält Solari für wenig zielführend: Es stütze sich zwar auf das "legitime Anliegen", die Tradition fortführen zu wollen. "So formuliert, neigt es jedoch dazu, die Kirche zu fixieren auf eine seit zweitausend Jahren vermutete unveränderte Funktionsweise." Das berge das Risiko, heutige Kategorien auf die "sehr andersartigen kirchlichen Realitäten der ersten Jahrhunderte" zu projizieren.

"Es gibt keine gesicherten Beweise dafür, dass es in der Urkirche Frauen gab, die zur Diakonin geweiht wurden, mit Handauflegung durch den Bischof", sagte die Theologin. Aber es gebe auch keinen Grund, das auszuschließen. Sie nehme an, dass die zahlreichen Diakoninnen in den ersten christlichen Gemeinden nicht den gleichen Status gehabt hätten wie ihre männlichen Kollegen. Während die Männer von Anfang an für den Tischdienst eingesetzt worden seien, seien Diakoninnen eher als Diakon-Assistentin oder Diakon-Ehefrau tätig gewesen. Auch hätten sie in Gesellschaften mit strikter Trennung der Geschlechter Aufgaben des Bischofs gegenüber der weiblichen Bevölkerung übernommen, "wenn das Eingreifen eines Mannes als unangemessen angesehen wurde". (KNA)