Was, wenn Frauen nicht nur einen Tag streiken würden?

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Ob beim Brandenburger Tor, in Buenos Aires oder sonst wo: Gestern haben Frauen* den Internationalen Frauentag auf den 9. März ausgeweitet: "ENOUGH!" In öffentlichen und geschützten Räumen, zentral und dezentral, organisiert, spontan in Gruppen oder privat: Frauen* antworteten auf vielfältige Weise auf die weltweit zunehmende Bedrohung, Verarmung und Diskriminierung von Frauen*. Ja, die Zeit ist mehr als reif, es reicht! Der Protest kann nicht laut genug sein. Ein Aufschrei – und doch: Wird er von denen wahrgenommen werden, die Verantwortung und Schuld tragen an dieser Misere? Den großen und kleinen (Möchtegern-)Machthabern dieser Welt, die ihre Macht stärken, indem sie Menschen- und Frauenrechte mit Füßen treten?
Es ist auch genug, weil im Alltag immer noch nicht genug geschieht, um Geschlechtergerechtigkeit zu erreichen. Männer machen Politik, schreiben Geschichte, bestimmen Kunst und Kultur. So der Anschein. Pressefotos (friedens)politisch oder gesellschaftlich relevanter Ereignisse: Dort scheint es keine Frauen* zu geben. Künstlerinnen? Natürlich! Am Frauentag senden Klassik-Radiosender die Werke "großer Komponistinnen" – und sonst? Einzelne in einer Woche. Natürlich stellen Museen bedeutende Malerinnen aus. Gender ist angekommen. Nun, Hintergrund ist, dass sich Museen angesichts von Sparzwängen Gemälde der "großen Meister" nicht mehr leisten können, aber dafür jene von Frauen*, denn sie sind preisgünstiger.
Preisgünstiger und sogar gratis sind sie bei allen Arbeiten, die gesellschaftlich wirklich notwendig sind. Dort sind Frauen* in Vielzahl zu finden. Streiken sie für einen Tag, bleibt liegen, was als ihre Aufgabe betrachtet wird, teils von ihnen selbst – und muss am Tag danach erledigt werden. So streiken sie besser nicht. Oder gleich richtig. 364 Tage lang. Bliebe ein Tag, an dem bestimmt sichtbar wird, was Frauen* gratis für die Gesellschaft tun. Doch die entstehenden Kollateralschäden würden sie wohl nicht verantworten wollen. Hier liegt der kleine Unterschied.
Die Autorin
Agnes Wuckelt ist Professorin i.R. für Praktische Theologie an der Katholischen Hochschule NRW, Abt. Paderborn.
Hinweis
Der Standpunkt spiegelt ausschließlich die Meinung der Autorin bzw. des Autors wider.