Standpunkt

Frauenfrage – Wer zu spät kommt, den bestrafen die Zeichen der Zeit

Veröffentlicht am 11.03.2026 um 00:01 Uhr – Von Matthias Altmann – Lesedauer: 

Bonn ‐ Eine neue Vatikan-Studie bescheinigt der Frage nach der kirchlichen Teilhabe von Frauen Dringlichkeit. Matthias Altmann fragt: Wie geht eine Kirche der unterschiedlichen Geschwindigkeiten mit diesem Befund um?

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Was viele Frauen in Deutschland schon lange empfinden, haben sie jetzt auch aus dem Vatikan schwarz auf weiß: Weibliche Gläubige fühlen sich in der Kirche oftmals nicht mehr zu Hause, weil ihnen nicht ausreichend Beteiligung eingeräumt wird – und denken über einen Rückzug nach. Offenbar, auch das überrascht kaum, ist das ein globales Phänomen. Dennoch ist bemerkenswert, mit welcher Deutlichkeit der am Dienstag veröffentlichte Bericht der aus der Weltsynode ausgelagerten Arbeitsgruppe manches formuliert: Die Klärung der "Frauenfrage" in der Kirche ist dringlich, heißt es darin. Doch einmal mehr stellt sich die Frage: Wie geht eine Kirche der unterschiedlichen Geschwindigkeiten mit diesem Befund um?

Von einem "Zeichen der Zeit" ist die Rede, durch das der Heilige Geist spreche. Und von einer Kirche, die sich entscheiden müsse, "ob sie zulässt, dass die gesellschaftliche Veränderung ihr widerfährt, oder ob sie proaktiv handeln will, um sich selbst zu verändern." Eine katholische Variante von "Wer zu spät kommt, den bestraft das Leben"? Schließlich werden Gleichberechtigungsdebatten in Gesellschaft und Kirche schon seit Jahrzehnten geführt.

Leider lässt der Bericht vieles offen. Immerhin ist er ein Zeichen, dass sich in der gesamten Kirche endlich die Gewissheit durchzusetzt: Wer das Thema Frauen in Verantwortung ignoriert, läuft Gefahr, Glaubwürdigkeit bei der Verkündigung des Evangeliums und Vitalität zu verlieren. Natürlich wäre ein einfacher Schritt, dort, wo es entsprechende Strukturen gibt, die Anzahl von Frauen in bestimmten Positionen oder Ämtern sichtbar zu erweitern – auf allen Ebenen. Dazu würde auch gehören, die Strukturen dort anzupassen, wo sie Frauen bisher behindern. Welche Räume existieren für ihre Stimme? Wo werden sie übergangen? Und wie kann man Bischöfe überzeugen, die nach wie vor keine Handlungsnot erkennen?

Das Dokument macht deutlich, dass es allerhöchste Zeit ist, überall auf der Welt katholische Frauen in ihrer Berufung ernst zu nehmen. Ob die eben aufgezählten Maßnahmen reichen, dass sich viele Frauen in der Kirche wieder besser beheimatet fühlen, sei allerdings dahingestellt. Der Text spricht von der Berücksichtigung unterschiedlicher kultureller Kontexte. Die Frage nach Weiheämtern wird in manchen Regionen nach dieser Veröffentlichung sicher nicht leiser gestellt. Zumindest der Diakonat der Frau muss ermöglicht werden.

Von Matthias Altmann

Der Autor

Matthias Altmann ist Redakteur bei katholisch.de.

Hinweis

Der Standpunkt spiegelt ausschließlich die Meinung der jeweiligen Autorin bzw. des Autors wider.