Viele Vorstellungen hätten kaum biblische Grundlage

Theologe: Rede vom "Antichristen" hat wieder Konjunktur

Veröffentlicht am 13.03.2026 um 11:46 Uhr – Lesedauer: 

Innsbruck ‐ Popkultur, Verschwörungstheorien und Politik: Der "Antichrist" ist wieder vermehrt Thema. Der Innsbrucker Neutestamentler Andrew Doole zeigt, was die Bibel wirklich dazu sagt.

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Für den Innsbrucker Neutestamentler Andrew Doole erlebt die Rede vom "Antichristen" derzeit eine neue Konjunktur in Politik und Popkultur. In einem Beitrag auf dem Portal "feinschwarz.net" von Freitag weist Doole jedoch darauf hin, dass viele verbreitete Vorstellungen darüber kaum biblische Grundlage haben.

Anlass für die aktuellen Debatten ist unter anderem die neue Staffel der US-Zeichentrickserie South Park, in der der Antichrist satirisch mit prominenten Persönlichkeiten aus Politik und Technologie in Verbindung gebracht wird. In der Serie wird etwa der Unternehmer Peter Thiel als "Antichrist-Experte" dargestellt. Historisch sei die Figur des Antichristen immer wieder auf konkrete Personen oder Institutionen projiziert worden, erklärt Doole, Leiter des Instituts für Biblische und Historische Theologie an der Universität Innsbruck.

Oberflächliche "Bibelvers-Klauberei"

In verschiedenen Epochen seien unter anderem Päpste, Napoleon, internationale Organisationen oder politische Gegner als Antichrist bezeichnet worden. Ein Blick in das Neue Testament relativiere solche Deutungen deutlich. Der Begriff "Antichrist" komme dort ausschließlich in den Johannesbriefen vor, so der Neutestamentler weiter. Gemeint seien damit Menschen, die leugnen, "dass Jesus der Christus ist". Zudem werde dort betont, dass "viele Antichristen" aufgetreten seien. Dabei seien unterschiedliche biblische Motive – etwa aus der Offenbarung des Johannes – mit der Antichristfigur verbunden worden.

Versuche, aktuelle politische Entwicklungen oder globale Institutionen mit dem Antichristen in Verbindung zu bringen, seien daher biblisch kaum begründbar, betont Doole. Die Suche nach dem Antichristen sei deshalb häufig eine "oberflächliche Übung in Bibelvers-Klauberei", die eine lange Tradition habe, die mit Polemik, Antisemitismus, Panikmache und Verschwörungstheorien belastet sei. (KNA)