Autor: Heiligsprechung von Opus-Dei-Gründer neu prüfen

Nach Ansicht des Investigativjournalisten Gareth Gore sollte der Papst das Heiligsprechungsverfahren des Opus-Dei-Gründers Josemaría Escrivá (Foto oben) neu aufrollen. Neue Erkenntnisse über "mögliche Unregelmäßigkeiten im Verfahren" machten eine erneute Untersuchung notwendig, schrieb Gore nach einer Audienz bei Papst Leo XIV. am Montag. Diese dauerte ihm zufolge rund 40 Minuten. Der Vatikan selbst erklärte nach dem Treffen, der Papst habe sich persönlich ein Bild davon machen wollen, was der Journalist zu sagen habe. Wiederholt hatte Leo XIV. als Bischof von Chiclayo (2015–2023) mit Vertretern des Opus Dei zu tun gehabt.
Der Londoner Journalist Gore hatte 2024 das Enthüllungsbuch "Opus" veröffentlicht, worin er über mutmaßliche dunkle Geschäfte der Organisation berichtete und die Kritik an der Organisation seit ihrer Gründung durch Escrivá im Jahr 1928 zusammenfasste. Der Untertitel des Buches lautete: "Der Kult von Schwarzgeld, Menschenhandel und rechter Verschwörung in der katholischen Kirche." Opus-Dei-Gründer Escrivá war von Papst Johannes Paul II. (1978–2005) am 6. Oktober 2002 heiliggesprochen worden.
Nach Gores Darstellung habe der Leo XIV. beim Treffen seine "gründliche Arbeit" gewürdigt. Bei dem Treffen sprach der Investigativjournalist nach eigenen Angaben zudem wiederholt das "völlige Versagen der Kirche" im Umgang mit Missbrauch an. Auch habe er ausführlich geschildert, was ihm ehemalige Mitglieder über die internen Strukturen und Arbeitsweisen der Organisation berichtet hätten. Zudem forderte er das Oberhaupt von 1,4 Milliarden Katholiken auf, sich mit den Betroffenen zu treffen und appellierte, gegen die Organisation vorzugehen.
Opus Dei weist Vorwürfe zurück
Das Opus Dei reagierte Anfang vergangenen Jahres auf das Buch von Gore mit einem rund 100 Seiten umfassenden Faktencheck. Darin warf die Organisation dem Autor vor, ein verzerrtes Bild zu zeichnen, das auf selektiv dargestellten Fakten, Verschwörungstheorien und falschen Behauptungen beruhe. Zugleich erklärte das Opus Dei, man habe dem Journalisten für seine Recherchen umfassende Zusammenarbeit angeboten. Antworten und Stellungnahmen der Organisation seien jedoch in seinem Buch kaum berücksichtigt worden.
Das Opus Dei ("Werk Gottes") wurde 1928 als katholische Laienbewegung gegründet. Nach eigenen Angaben zählt es knapp 90.000 Mitglieder weltweit, die größte Gruppe lebt in Spanien. Die Mitglieder sind gehalten, die Gesellschaft durch ein konsequent christliches Leben mitzuprägen. Bereits unter Papst Franziskus (2013–2025) hatte der Vatikan die Organisation verpflichtet, ihre Statuten zu überarbeiten. Nach einem dreijährigen Reform-Prozess legte das Opus Dei im vergangenen Juni einen Entwurf der neuen Statuten Papst Leo XIV. vor. Seitdem prüft ein Team von Kirchenjuristen und Theologen das Dokument. (mtr)