"Manche denken da vielleicht, dass nur 'gegafft' werde"

Reliquienschau in Assisi sorgt für Kritik – Franziskaner reagiert

Veröffentlicht am 17.03.2026 um 11:43 Uhr – Lesedauer: 

Köln/Assisi ‐ Der Shitstorm gehe an der Realität vor Ort vorbei: Der deutsche Franziskaner Thomas Freidel erlebt in Assisi live, wie Besucher den Franziskus-Reliquien begegnen. Darin erkennt er keinen Grund zur Empörung.

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Der deutsche Franziskaner Thomas Freidel hat Kritik an der Ausstellung der sterblichen Überreste des heiligen Franziskus in Assisi zurückgewiesen. Begriffe wie "Sakrileg" oder "Störung der Totenruhe" verfehlten die Realität vor Ort deutlich, sagte der Seelsorger am Dienstag dem Kölner Portal "domradio.de". Kritik erklärt der Franziskaner mit kulturellen Unterschieden: "In Süditalien ist man es gewohnt, dass man die Leiber der Heiligen sehen kann."

"Ich habe noch nie so einen Kontrast zwischen dieser Außenwahrnehmung und dem, was wir hier erleben, mitbekommen", sagte Freidel weiter. Während im Internet Empörung laut werde, erlebten tausende Besucher in Assisi "eine Atmosphäre des Gebetes, der Besinnung, der Sammlung, der Ergriffenheit und der Freude".

Gaffen oder Beten?

Auch den Vorwurf der Sensationslust weist der Ordensmann entschieden zurück: "Manche denken da vielleicht, dass nur 'gegafft' werde. Aber die Wirklichkeit ist ganz anders." Bilder aus dem Internet vermittelten ein verzerrtes Bild. Freidel betont zudem die religiöse Dimension: Franziskus sei nicht "in diesen Knochen", sondern lebe "in der ewigen Vollendung bei Gott". Die Verehrung der sterblichen Überreste gelte letztlich Gott selbst.

Zum 800. Todestag des Ordensgründers Franz von Assisi (um 1182–1226) werden zurzeit erstmals seine Überreste der Öffentlichkeit gezeigt. Dazu wurde am 22. Februar ein Plexiglas-Sarg mit seinen Gebeinen aus der Krypta der Basilika im italienischen Assisi in die darüber gelegene Unterkirche gebracht, wo seine Gebeine bis zum 22. März zu besichtigen sind.

Thomas Freidel ist Pilgerseelsorger für die deutschsprachigen Pilger in Assisi. Der gebürgte Pfälzer ist seit 2008 mit dieser Aufgabe betraut. (KNA)