Reliquien-Ausstellung in Assisi zum 800. Todestag

Besuch bei den sterblichen Überresten des heiligen Franziskus

Veröffentlicht am 15.03.2026 um 12:10 Uhr – Von Sabine Kleyboldt (KNA) – Lesedauer: 

Assisi ‐ Assisi ist ein Must-See für viele Katholiken. Zum 800. Todestag seines berühmtesten Sohnes erlebt der Ort einen regelrechten Ansturm: Bis zum 22. März werden dessen Reliquien gezeigt. Davon profitieren auch andere Heilige.

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Langsam wogt der Pilgerstrom durch die schlichte weiße Kirche. Schilder mit der Aufschrift "Tomba di San Carlo Acutis" weisen den Weg zum Grab des jungen "Internet-Apostels". Nicht stehen bleiben, nicht fotografieren, mahnen Helfer in verschiedenen Sprachen. Dann, im rechten Seitenschiff von Santa Maria Maggiore in Assisi, der gläserne Sarg des Carlo Acutis (1991–2006): ein Teenager in Jeans, Nike-Sneakers und Trainingsjacke, der zu schlafen scheint.

Dabei wurde der fromme junge Mann im Herbst von Papst Leo XIV. schon heiliggesprochen. Nicht erst seither zieht sein Grab die Massen nach Assisi – genau wie es schon seit Jahrhunderten auch der größte Sohn des mittelitalienischen Ortes tut, dessen 800. Todestag 2026 gefeiert wird. "Zu Jesus mit Franz von Assisi und Carlo Acutis" steht auf einem Gebetskärtchen, das den Menschen an Acutis' Sarg in die Hand gedrückt wird. Die meisten besuchen auch das Grab des Ordensgründers Franziskus (1181/82–1226) in der Basilika San Francesco, etwa zehn Gehminuten entfernt.

"Fügung Gottes"

So auch Joachim Vater, der mit einem Bus voller deutschsprachiger Pilger angereist ist. Erstmals zeigen die Franziskaner für einen Monat die Gebeine des Franz von Assisi, die sonst in der Krypta der Basilika ruhen. Die Reliquien nun sehen zu können, sei eine "Fügung Gottes", meint Vater, während er im Besucherzelt vor dem majestätisch gelegenen Gotteshaus auf die Gruppenführung wartet.

Seine Eindrücke am Grab von Carlo Acutis? Dass der junge Heilige im gläsernen Sarg ausgestellt ist, sei "ein bissl typisch italienisch", meint der pensionierte Lehrer. "Aber es beeindruckt mich, dass ein 15-Jähriger so spirituell tiefgründige Aussagen gemacht hat." Acutis sei gerade für junge Menschen eine Identifikationsfigur. "Ich hab ihm meine Enkel ans Herz gelegt", sagt er lächelnd.

Pilger vor der Basilika San Francesco in Assisi
Bild: ©KNA/Cristian Gennari/Romano Siciliani

Menschen stehen dicht gedrängt vor der Unterkirche der Basilika, um dort die ausgestellten Gebeine des heiligen Franziskus zu sehen.

Dann holt Bruder Thomas Freidel, seit 18 Jahren Pilgerseelsorger in Assisi, die Gruppe ab. Männer und Frauen jeden Alters treten sichtlich beeindruckt in die Unterkirche der prächtigen Basilika. Der Kontrast zum wuseligen Außenbereich, den Freiwillige, Sicherheitskräfte, Ordensleute sowie Alt und Jung aus aller Welt bevölkern, könnte kaum größer sein.

"Franziskus lebt", beginnt Freidel seine kurze Einführung in einer Seitenkapelle. "Er lebt durch die Botschaft seines Lebens und das Zeugnis seines Glaubens, man kann ihm hier begegnen." Nämlich in den "armseligen, schwachen sterblichen Überresten eines kleinen Menschen", bereitet der Ordensmann die Besucher auf den schlichten Plexiglassarg vor, der nicht von ungefähr vor dem Altar aufgestellt ist, Symbol für Jesus Christus.

Herzkammer des Ordens

"Das Ziel ist nicht Franziskus, sondern das Ziel ist Gott und die Vollendung bei ihm", verweist Freidel auf die berühmte Darstellung von Giotto über dem Altar, die Franziskus in der Vollendung bei Gott im Ewigen Leben zeigt. "Sein Grab soll ein Ort des Lebens sein, der Verkündigung der Botschaft der Hoffnung und Zuversicht. Der Ort des Grabes wird zum Ort des Lebens." Mit der Ausstellung der Gebeine des Ordensgründers komme es den Franziskanern so vor, als wäre ihre Herzkammer geöffnet, sagt Freidel.

Nun schreiten die Menschen in Stille durch das Mittelschiff der Basilika. Der Weg ist durch Absperrbänder künstlich verlängert, an den Seiten des Langhauses sind Bildschirme mit Motiven der um 1260 entstandenen Malereien aus dem Leben des Franziskus und der Passion Christi angebracht.

Thomas Freidel
Bild: ©KNA/Sabine Kleyboldt

Thomas Freidel, Pilgerseelsorger für die deutschsprachigen Pilger in Assisi, führte die Gruppe in das Leben und die Botschaft des heiligen Franziskus ein.

Vorne angekommen, fällt der Blick auf viele dunkle Knochen und Bruchstücke, die in dem gläsernen Schrein zu einem menschlichen Skelett zusammengefügt sind. "Nicht stehenbleiben, keinesfalls sprechen oder fotografieren", heißt es auch hier. Viele berühren die kühle Oberfläche des Sargs, doch für ganz große Emotionen scheint der Moment zu kurz.

Dafür bleibt die Gruppe anschließend noch einige Minuten rechts neben dem Altar stehen, viele betrachten die Fresken an Decken und Wänden oder blättern versonnen im Pilgerheft mit dem Antlitz des berühmten Schutzpatrons der Tiere und der Umwelt. Nun führt Bruder Thomas die Gruppe hinab in die Bonaventurakapelle, wo er sie nach einem Gebet zur Tauferneuerung segnet.

Wer will, kann noch beichten, eine Messe bestellen, sich einen Stempel für die Pilgerurkunde abholen oder im oberen Kreuzgang die Ausstellung zur Geschichte des Franziskusgrabs besuchen.

"Pace e Bene"

Zum Abschied gibt es noch ein kleines Geschenk: Weizensamen samt Töpfchen, "100 Prozent biologisch abbaubar", so Bruder Thomas. Passend zum Bibelwort vom Weizenkorn, das nur dann Frucht bringt, wenn es in die Erde fällt und stirbt, seien die Sämereien Zeichen dafür, "dass Gott Leben schenkt, und auch wir berufen sind, im Glauben zu wachsen", so der Seelsorger. Dann verabschiedet er die Gruppe mit dem Gruß, der Franz von Assisi zugeschrieben wird: "Pace e Bene, Frieden und Heil."

Für Joachim Vater geht ein intensives spirituelles Erlebnis zu Ende. "Wenn man überlegt, dass dieser Franz von Assisi vor 800 Jahren über Land ging!", sagt er. "Ich hab ihm meine Anliegen mitgebracht."

Von Sabine Kleyboldt (KNA)