Schwere Zeiten und deutliche Anfeindungen

Ex-Bundespräsident Wulff: Ordensschwester begleitete mich

Veröffentlicht am 20.03.2026 um 09:31 Uhr – Lesedauer: 

Köln ‐ Kurz war die Amtszeit von Christian Wulff als Bundespräsident – doch lang genug, um teilweise harsche Kritik aushalten zu müssen. Wer ihm durch diese Zeit geholfen hat und was er heutigen Politikern rät.

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Der frühere Bundespräsident Christian Wulff (66) ist während seiner Amtszeit nach eigenen Angaben von einer Ordensschwester begleitet worden. Diese habe ihm durch die schweren Zeiten im Amt und die teilweise deutlichen Anfeindungen geholfen, die er seinerzeit bekam, sagte Wulff dem Kölner Portal "domradio.de". Sie habe ihm immer wieder Mut gemacht: "'Ich stehe hinter dir, egal was dir vorgeworfen wird. Am Ende wird nichts dran sein. Auch in schwierigen Zeiten, wenn jemand am Boden liegt, stehe ich an deiner Seite.'"

Generell hätten ihn unter vielen kritischen bis feindseligen Nachrichten auch solche Menschen in Briefen erreicht, die ihn unterstützen wollten – fast immer seien Christinnen oder Christen die Absender gewesen. "Das war eine ganz wichtige Erfahrung. Ich wusste, da gibt es was Größeres und Höheres", so Wulff heute. "Mir hat auch dieser Satz geholfen, dass man sich selbst nicht zu wichtig nehmen soll."

Wulff: Selbstüberhöhung führt ins Unheil

Gleichzeitig warnte das ehemalige Staatsoberhaupt Politiker davor, sich selbst zu überhöhen und die eigenen Interessen in den Vordergrund zu stellen. "Das ist ein Boden, auf dem Unheil gedeiht." Dass es nach dem Zweiten Weltkrieg wieder bergauf mit Deutschland gegangen ist, liege daran, dass auch immer die Interessen anderer berücksichtigt worden seien. "Das nennt man Einfühlungsvermögen oder Empathie, das heißt, sich auch in den anderen hineinzuversetzen", erklärte Wulff. "Wenn die verloren geht und belächelt wird, wenn gesagt wird 'Schwächere sind selber schuld', dann setzt sich das 'Recht des Stärkeren' durch und nicht mehr die 'Stärke des Rechts'. Dann sind wir auf einer abschüssigen Bahn."

Wulff wurde 1959 in Osnabrück geboren. Der Katholik und CDU-Politiker wurde 2010 zum Bundespräsidenten gewählt, musste aber im Februar 2012 von diesem Amt zurücktreten. Ihm wurde unter anderem Vorteilsnahme im Amt vorgeworfen, wovon er 2014 gerichtlich freigesprochen wurde. (KNA)