Bistümer Berlin und Görlitz suchen Missbrauchsbetroffene für Beirat

Das Erzbistum Berlin, das Bistum Görlitz und die katholische Militärseelsorge suchen Betroffene von Missbrauch für einen neuen gemeinsamen Beirat. Die künftigen Mitglieder des unabhängigen Gremiums sollen maßgeblich am Aufarbeitungsprozess beteiligt werden, hieß es am Freitag in einer Mitteilung. Betroffene von sexualisierter Gewalt und sexuellem Missbrauch können bis Ende April beim Erzbistum ihr Interesse an einer Mitwirkung bekunden. Eine Auswahlkommission soll voraussichtlich ab Mai mit einzelnen Interessenten Gespräche führen.
Nach der Gründung des Betroffenenbeirats soll auch die Interdiözesane Kommission zur Aufarbeitung des sexuellen Missbrauchs/sexualisierter Gewalt (IKA) der beiden Bistümer und der Militärseelsorge neu eingerichtet werden. Eine Beteiligung des Beirats ist vorgesehen. Damit solle der laufende Prozess zur Aufklärung, Anerkennung und Analyse von Missbrauch im Raum der katholischen Kirche wirkungsvoll fortgesetzt werden, hieß es. Eine bereits erfolgte Ausschreibung einer Studie zum Thema soll der neuen Kommission mit der Bitte übergeben werden, sie fortzusetzen.
Bistum Dresden-Meißen nicht mehr dabei
In einem bislang bundesweit einmaligen Vorgang hatten das Erzbistum Berlin, die Bistümer Dresden-Meißen und Görlitz sowie die katholische Militärseelsorge Mitte vergangenen Jahres ihre gemeinsame Aufarbeitungskommission aufgelöst. Mehrere Mitglieder des Gremiums waren zuvor zurückgetreten. Betroffenenvertreter hatten anhaltende kommunikative Probleme und eine schwierige Arbeit beklagt. Das Bistum Dresden-Meißen setzt inzwischen auf eine eigene Kommission.
Die Aufarbeitung liegt in den deutschen Bistümern vor allem in den Händen von unabhängigen Kommissionen. Grundlage für ihre Arbeit ist eine 2020 geschlossene Vereinbarung zwischen der Deutschen Bischofskonferenz und dem damaligen Unabhängigen Beauftragten der Bundesregierung für Fragen des sexuellen Kindesmissbrauchs. Die Kommissionen sind häufig mit früheren Polizisten und Juristen oder auch Medizinern und Psychologen besetzt. Hinzu kommen Betroffenenvertreter sowie von den jeweiligen Landesregierungen benannte Vertreterinnen oder Vertreter. (KNA)