Jahrzehntelange Belästigung

Trauriges "Jubiläum": Pfarrer leidet seit 25 Jahren unter Stalkerin

Veröffentlicht am 24.03.2026 um 11:37 Uhr – Lesedauer: 

Meschede ‐ Ein Pfarrer aus Meschede wird seit 25 Jahren von einer Frau belästigt. Trotz mehrerer Justizverfahren fühlt er sich dem Stalking der inzwischen 84-Jährigen schutzlos ausgeliefert. "Für mich ist sie der Teufel", sagt er.

  • Teilen:

Trauriges "Jubiläum" für einen Pfarrer im sauerländischen Meschede: Seit mittlerweile 25 Jahren wird der Geistliche von einer Stalkerin massiv belästigt. "Für mich ist sie der Teufel", sagte der 71-Jährige jetzt der "Westfalenpost". Das Verhalten der inzwischen 84-jährigen Frau habe "etwas Diabolisches".

Begonnen haben die Nachstellungen nach Angaben des Pfarrer 2001. Er sei damals an das Totenbett des Vaters der Frau gerufen worden. Dort habe er gesehen, wie die Frau den Vater schüttelte. Auf seine Frage, was das solle, habe sie geantwortet, dass der Vater sich entschuldigen solle. Später sei herausgekommen, dass der Vater sie jahrelang missbraucht hatte. "Ich war zur falschen Zeit am falschen Ort", so der Geistliche. "Dadurch bin ich hineingeraten." Seiner Ansicht nach lässt die Frau ihn stellvertretend für den Vater leiden.

Fall hat mehrfach die Justiz beschäftigt

Der Fall hat in den vergangenen 25 Jahren mehrfach die Justiz beschäftigt. 2001 war sie zuerst am Landgericht Arnsberg wegen Stalking angeklagt. Ein Gutachter bescheinigte ihr damals eine Wahnvorstellung – woraufhin das Gericht sie für schuldunfähig erklärte. Mit der Konsequenz, dass sie einfach weitermachte. Von der Justiz erwartet der Pfarrer laut dem Zeitungsbericht keine Hilfe mehr: "Ich bin vogelfrei. Dem Opfer wird nicht geholfen in diesem Land." Als einfacher Bürger habe man in diesem Land keinen Schutz. Er frage sich, was wohl passieren würde, wenn sich so etwas nicht bei einem Pfarrer im Ruhestand, sondern vor dem Wohnhaus von Bundeskanzler Merz abspielen würde.

Bis zu seinem Eintritt in den Ruhestand hätten sich die Belästigungen rund um das Pfarrhaus in Freienohl abgespielt. Seit seinem Auszug aus dem Pfarrhaus tauche die Frau inzwischen sechsmal die Woche an seiner neuen Adresse auf. Früher habe sie sich vor ihm entblößt, seinen Garten mit Blumen "geschmückt" und mit Möhren herumgespielt – alles habe stets sexuelle Anzüglichkeiten gehabt. Das Entblößen habe sie inzwischen eingestellt. Geblieben seien sexuelle Anspielungen ihm gegenüber mit Bananen, sie reibe sich am Körper, werfe ihm einen Kussmund zu, verteile Blumen im Umfeld seiner Wohnung und seines Autos. "Es ist eine ständige Belästigung", so der Pfarrer.

Erzbischof Udo Markus Bentz bei seiner Amtseinführung
Bild: ©KNA/Harald Oppitz (Archivbild)

Dankbar ist der Pfarrer nach eigenen Angaben für das Verhalten des zuständigen Paderborner Erzbischofs Udo Markus Bentz.

Viele Nachbarn hätten die Frau bei ihrem Treiben schon beobachtet. "Du weißt nie, wann sie kommt", sagte der Geistliche der "Westfalenpost". Zuletzt sei sie angefahren gekommen und habe ihm zugerufen: "Du geiler Wichser. Komm, f*** mich!" Wie sie angefahren komme, sei eine neue Dimension. "Die fährt Streife" – sie komme immer sehr schnell mit ihrem Auto angefahren. "Hier sind viele Kinder. Ich habe Angst, so, wie die hier durchbrettert. Es muss offenbar erst etwas passieren, damit etwas passiert."

Dankbar für Verhalten von Erzbischof Bentz

Ein Umzug in eine andere Stadt sei für ihn trotz der ständigen Belästigungen nicht in Frage gekommen. "Das wäre wie Weglaufen gewesen. Ich habe doch auch meine Freunde und Bekannten, meine ganzen sozialen Kontakte hier." Zudem helfe er vor Ort noch bei Messen aus und engagiere sich bei der "Tafel" in Meschede.

Dankbar ist der Pfarrer nach eigenen Angaben für das Verhalten des zuständigen Paderborner Erzbischofs Udo Markus Bentz. Dieser habe sich in einem persönlichen Gespräch seinen Fall schildern lassen. "Nach 24 Jahren hat sich ein Vorgesetzter in Paderborn endlich einmal dafür interessiert. Das war sehr wohltuend." Bentz habe verstehen wollen, was schiefgelaufen sei. Dessen Vorgänger Hans-Josef Becker sei seiner Fürsorgepflicht ihm gegenüber dagegen "nicht nachgekommen". (stz)