Stoffstück passt zu Loch in 800 Jahre altem Bischofsgewand

Das Muster passte und die Größe des Stoffstücks auch: Ein Stück wiedergefundene alte Seide gehört zum Grabgewand des ehemaligen Bischofs von Bamberg Otto II., der von 1177 bis 1196 amtierte. Das 800 Jahre alte Seidengewebe sei am Dienstag im Diözesanmuseum Bamberg angekommen, teilte das Erzbistum mit. Eine 40 mal 60 Zentimeter große Lücke in dem Gewand könne jetzt geschlossen werden. Das Stoffstück sei im Archiv des Klosters Wienhausen bei Celle gefunden worden, teilten Carola Marie Schmidt, Leiterin des Diözesanmuseums Bamberg, und Textilrestauratorin Sibylle Ruß mit.
Im vergangenen Jahr habe die Äbtissin des Klosters bei Schmidt angerufen und von dem Fragment berichtet, das der Archivar mit einer Notiz, dass es aus Bamberg komme, in einer Schachtel gefunden hatte. "Kunsthistoriker der Klosterkammer in Hannover konnten kurz darauf die große Bedeutung des Fragments einschätzen, weil es nur extrem wenige Textilien überhaupt mit diesem Muster gibt", sagte Ruß.
Das Stück des Gewands war wohl während Restaurierungsarbeiten im bayerischen Landesamt Ende der 1930er-Jahre in privaten Besitz gelangt. Eine Textilsammlerin aus Krefeld, die wertvolle Stoffe sammelte, bewahrte das Stück Seide sorgfältig bis zu ihrem Tod auf. Sie vermachte es einer Freundin, die es dem Kloster weitergab.
Stoff verschwand bei der Restaurierung
Nach der Restaurierung in München war das liturgische Gewand vermutlich 1943 mit dem großen Loch nach Bamberg zurückgebracht worden. Da dort niemand wusste, dass das Loch erst in München entstanden war, nahm man in Bamberg das Fehlen hin. Das zurückgekehrte Textilfragment soll demnächst auch für die Öffentlichkeit im Diözesanmuseum zu sehen sein.
Bischof Otto II. aus Andechs wurde etwa um 1122 als Sohn eines Grafen geboren. Nach Zwischenstationen in Aachen und Brixen kam er zurück nach Franken und erscheint 1174 in Schriften als Bamberger Dompropst. 1177 wurde er zum Bischof von Bamberg gewählt. (epd)