Entschuldigung und Entschädigung durch deutsche Bistümer?

Bischof aus Afrika fordert Folgen aus Missbrauchstäter-Entsendungen

Veröffentlicht am 26.03.2026 um 12:37 Uhr – Lesedauer: 

Freiburg/Berlin ‐ Priester, die Missbrauch begangen haben, werden ins Ausland geschickt: Jahrelang war diese Praxis in deutschen Bistümern nicht unüblich. Ein Bischof aus Sierra Leone fordert eine umfassende Aufarbeitung samt Konsequenzen.

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Der Bischof der Diözese Makeni (Sierra Leone), Bob John H. Koroma, verlangt von der Kirche in Deutschland eine umfassende und konsequente Aufarbeitung der früher verbreiteten Praxis, klerikale Missbrauchstäter nach Afrika zu schicken. In einem Beitrag für die "Herder Korrespondenz" (April-Ausgabe) fordert er die Diözesen und Orden auf, ihre Archive "im Sinne einer radikalen Transparenz zu öffnen", sich namentlich für das Vorgehen zu entschuldigen, umfassende Entschädigung für Betroffene zu leisten und das "Entsendungsmodell" zu reformieren.

Um den Missbrauch durch ausländische Priester künftig zu verhindern, bedürfe es "der Einführung strengster, transparenter psychologischer Untersuchungen und eine kontinuierliche Überwachung" aller entsendeter Geistlicher, so der Bischof. Auch das Problem des Machtungleichgewichts müsse behandelt und lokale Bischöfe in die Entscheidung über die aus dem Westen entsandten Priester und Ressourcen einbezogen werden.

Die im Globalen Süden weit verbreitete Auffassung, dass europäische Diözesen eine Entsendung auffällig gewordener Priester ins Ausland als bequeme Lösung betrachten, werde oft bestätigt. "Das ist vielleicht der bedauerlichste Aspekt dieses ganzen Phänomens: die Gemeinden anderer Gläubiger als 'Müllhalde' für Probleme zu betrachten, die die zuständigen Verantwortlichen zu Hause entweder nicht lösen wollen oder können." Dabei handle es sich um keine Partnerschaft, sondern um eine Form des "spirituellen Kolonialismus", schreibt Koroma.

Ungesunde Machtdynamik

Dieses Handeln sei besonders perfide, weil die Gemeinden oft finanziell von Europa abhängig seien. "Wie kann eine lokale Gemeinschaft, die für ihre Schulen und Kliniken auf die finanzielle Unterstützung angewiesen ist, sich gegen den Vertreter dieser Großzügigkeit aussprechen?" Das System habe so eine Machtdynamik geschaffen, die die Täter geschützt und die Betroffenen zum Schweigen gebracht habe. Denn die Geschichte der Evangelisierung in Afrika erzähle "von einem allgegenwärtigen Klerikalismus, der oft unter dem Deckmantel des Glaubens exportiert wurde, und von einem unerschütterlichen Gehorsam gegenüber Autoritäten", so der Bischof. Dies führe zu einer Tendenz, Kleriker auf ein Podest zu stellen und sie damit von der Rechenschaftspflicht zu befreien.

Koroma betonte, dass der Missbrauch durch Priester in Afrika neben den verheerenden Folgen für die Betroffenen auch katastrophale Konsequenzen für das soziale Gefüge habe. "Wir sprechen auch von einem Gift, das das soziale Gefüge, die öffentliche Gesundheit, die kulturelle Stabilität und die Mission der Kirche auf unserem Kontinent schädigt." Wenn ein Priester als Täter entlarvt werde, zerbreche "das Fundament des sozialen Vertrauens". Das führe zu einem "tiefsitzenden Zynismus", der den Zusammenhalt und die Entwicklung der Gemeinschaft behindere.

Der Bischof von Makeni spricht sich für in diesem Kontext für einen Neubeginn in der Zusammenarbeit zwischen der Kirche in Deutschland und in den afrikanischen Ländern aus. "Dieser schmerzhafte Moment ist eine Gelegenheit, eine neue Partnerschaft aufzubauen, nicht zwischen Gebern und Bettlern, sondern zwischen Brüdern im Bischofsamt und gleichberechtigten Jüngern in der einen, heiligen, katholischen und apostolischen Kirche." Und weiter: "Lasst uns gemeinsam den Mut haben, die Wunden zu reinigen, die Schuldigen zur Rechenschaft zu ziehen und eine Kirche wiederaufzubauen, in der Mission wirklich selbstloser Dienst bedeutet, und Partnerschaft auf Liebe gründet", schreibt Koroma. (mal)