Ex-Finanzdirektor des Bistums Eichstätt: "Wir haben nicht gezockt"
Im Strafprozess zum Finanzskandal des Bistums Eichstätt hat am Donnerstag ein ehemals hochrangiger Geistlicher ausgesagt. "Was wir in der Finanzkammer gemacht haben, war kein Zocken", sagte der Zeuge und nahm damit auch die beiden Angeklagten in Schutz. Er sei als Finanzdirektor weder von seinem früheren Stellvertreter noch von dessen Geschäftspartner in den USA getäuscht worden. Die beiden Angeklagten stehen unter anderem wegen des Vorwurfs der Untreue vor Gericht. Das Ermittlungsverfahren gegen den Zeugen wurde eingestellt.
Nicht vom Fach
Der 75-Jährige sagte, er sei 2009 vom damaligen Bischof Gregor Maria Hanke "als Nicht-Fachmann" zum Finanzdirektor berufen worden. Als Priester habe sein Augenmerk den Pfarrgemeinden und der Seelsorge gegolten. Für die finanztechnischen Fachfragen sei in Eichstätt traditionell der stellvertretende Finanzdirektor zuständig gewesen. Vor der Unterzeichnung der umstrittenen Darlehensverträge für Immobilienprojekte in den USA habe er sich mit der Auskunft seines Stellvertreters begnügt, dass diese Investments geprüft und sicher seien. Falls er dazu etwas zu fragen gehabt habe, habe er stets bereitwillig Auskunft bekommen.
Zugleich gab der Zeuge zu verstehen, dass weder er noch der als Aufsichtsgremium zuständige Vermögensverwaltungsrat Anlass für kritische Rückfragen oder eigenständige Überprüfungen gesehen hätten. "Das war alles sehr amateurhaft." Das Geschäftsmodell, sich an Projekten der Stadtentwicklung in Amerika zu beteiligen, sei aber in Grundzügen erläutert worden und alles plausibel erschienen. Dass sein angeklagter Stellvertreter einen Teil der Provision bekommen habe, sei ihm damals nicht bekannt gewesen, versicherte der Geistliche. Im Nachhinein finde er das für einen Bistumsangestellten nicht richtig. Diese Aussage berührt den Anklagevorwurf der Bestechung.
Summe der Darlehen "so durchgerutscht"
Der ehemalige Finanzdirektor gab an, er habe damals einen Investitionsrahmen von insgesamt 30 Millionen Euro, also in etwa zehn Prozent des gesamten Anlagevermögens der Diözese, für die US-Darlehen in Ordnung gefunden, aber über die nach und nach ausgereichten Beträge nicht Buch geführt. Dass es in der Summe irgendwann über 50 Millionen gewesen seien, sei ihm "so durchgerutscht".
In mehreren Punkten wies der Zeuge die Aussage seines früheren Bischofs zurück. So sei nicht er es gewesen, der sich besagten Stellvertreter gewünscht habe. Vielmehr habe sich dieser Angeklagte, nachdem er das Bistum zunächst als Externer beraten hatte, selbst beworben. An dessen Fachkompetenz als "international agierender Investmentbanker" habe allein schon aufgrund seiner Diktion kein Zweifel bestanden. "Ich habe festgestellt: Der ist voll in den Finanzen zuhause." Die Zusammenarbeit mit ihm sei durchweg konstruktiv und vertrauensvoll gewesen.
In mehreren Punkten wies der Zeuge die Aussage seines früheren Bischofs zurück.
Hankes Führungsstil beschrieb der Zeuge so: "Der Bischof hat, was er nicht selbst entscheiden musste, laufen lassen. Dann konnte er hinterher immer sagen: Ich habe das nicht in die Wege geleitet, das haben andere entschieden." Insofern sei es im Rückblick ein Fehler gewesen, dass er den Bischof nicht mit den Investments in den USA befasst habe.
Zum Umgang des Bistums mit ihm nach der Affäre sagte der Geistliche: "Ich fühle mich verschmutzt und falsch behandelt." Das Bistum wolle ihn zivil- und kirchenrechtlich in Regress nehmen. Dazu liefen Verfahren vor einem Kirchengericht in Bamberg und ein Revisionsverfahren vor dem Oberlandesgericht in München. In erster Instanz sei er vom Landgericht Ingolstadt freigesprochen worden. (KNA)
