Standpunkt

Bischofsernennungen gleichen oft einer Blackbox

Veröffentlicht am 30.03.2026 um 00:01 Uhr – Von Oliver Wintzek – Lesedauer: 

Bonn ‐ Seit den Enthüllungen in Boston 2002 reißen die Fälle sexualisierter Gewalt nicht ab. Oliver Wintzek fragt, wie solche Personen Bischöfe werden – und fordert mehr Transparenz und Repräsentanz bei der Bischofswahl.

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Seit den Enthüllungen des Investigativteams "Spotlight" in Boston 2002 reißen die geplatzten Bomben zu Fällen sexualisierter Gewalt durch Kleriker nicht ab. Die institutionalisierten Vertuschungsmechanismen belasteten nicht nur Kardinal Law, sondern nun auch die verstorbenen Paderborner Kardinäle Jaeger und Degenhardt – Fortsetzung erwartbar. Hinweistafeln in Grablegen, Umbenennungen von Straßen und ähnliche Symbolhandlungen sind allemal berechtigt.

Es stellt sich die grundsätzliche Frage, wie solche Personen überhaupt haben Bischöfe werden können. Bis heute werden Bischöfe gewissermaßen aus dem römischen Hut gezaubert, nachdem sie ein anonymes externes Mentoring durchlaufen haben. Konkret geht es um einen geleakten Fragebogen, der deutlich macht, welches Profil erwünscht ist: "Rechtgläubigkeit", eine "überzeugte und treue Anhänglichkeit an die Lehre und das Lehramt der Kirche" und "Treue zur wahren kirchlichen Überlieferung", der sich eine "echte Erneuerung" verdanken soll. Absehbar, dass reformorientierte kritische Theologen selten das Rennen machen.

Das Mantra, die Kirche sei keine "Demokratie", hat die ältere Tradition gegen sich. Cyprian von Karthago schreibt: "Nichts ohne den Bischof – nichts ohne die Zustimmung des Volkes". Cölestin I. steht für das Prinzip: "Kein Bischof darf aufgezwungen werden." Leo der Große legte fest: "Wer allen vorstehen soll, muss auch von allen gewählt werden." Im 13. Jahrhundert erklärte Innozenz III.: "Was alle betrifft, muss von allen beraten und verabschiedet werden."

Der Applaus im Münsteraner Dom zeigte, dass eine nachträgliche Zustimmung des Kirchenvolkes gegeben ist. Bischof Wilmer sprach aus der katholischen Seele: Die Kirche muss in einer Zeit, in der "Menschen ausgegrenzt und abgewertet werden, in der Fremdenhass wächst" ein Gegenpol sein – richtig! Sie müsse gegen die dunkle Vergangenheit stehen, in der "Priester und andere Menschen der Kirche sexualisierte Gewalt verübt und ihre Macht missbraucht haben. Viele Verantwortungsträger haben viel zu lange weggeschaut. Das alles darf es nie wieder geben" – richtig!

Solange die Bischofswahl nicht grundlegend auf den Prüfstand von Transparenz und Repräsentanz gestellt wird, bleibt es bei einer Blackbox. In Münster hat man Glück gehabt – darauf zu bauen, reicht nicht.

Von Oliver Wintzek

Der Autor

Oliver Wintzek ist Professor für Dogmatik und Fundamentaltheologie an der Katholischen Hochschule in Mainz. Zugleich ist er als Kooperator an der Jesuitenkirche in Mannheim tätig.

Hinweis

Der Standpunkt spiegelt ausschließlich die Meinung der jeweiligen Autorin bzw. des Autors wider.