Christine Strobl über bekanntes Format und ihren Glauben

ARD-Programmdirektorin: "Das Wort zum Sonntag" leistet Lebenshilfe

Veröffentlicht am 29.03.2026 um 11:50 Uhr – Von Wolfgang Wittenburg (KNA) – Lesedauer: 

München/Hamburg  ‐ Kirche hat im öffentlich-rechtlichen Rundfunk auch weiterhin einen Platz – das betont ARD-Programmdirektorin Christine Strobl. Im Interview erklärt sie zudem, welche Kraft der Glaube in Krisenzeiten geben kann.

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Seit fünf Jahren ist Christine Strobl, das älteste Kind des 2023 verstorbenen CDU-Politikers Wolfgang Schäuble, ARD-Programmdirektorin. Im Interview der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA) spricht die Medienmanagerin über "Das Wort zum Sonntag" und die neue Reihe "Holy Days" im Ersten. Zudem verrät sie ihren persönlichen Wunsch für die Zukunft der Kirche in Deutschland.

Frage: Welche Bedeutung hatten und haben Kirche und Religion - in Ihrer Kindheit und nun als Erwachsene?

Strobl: Religion und Kirche gaben und geben mir auch heute Orientierung und Halt – das galt bei allen Zweifeln fast immer.

Frage: Was waren für Sie prägende kirchliche Ereignisse?

Strobl: Ich bin katholisch und in einer sehr ökumenisch geprägten Familie aufgewachsen. Besonders wichtig ist mir der Gedanke, dass der gemeinsame Glaube im Mittelpunkt steht. Deshalb freue ich mich auf den Tag, an dem ich mit meinem evangelischen Mann einen Kirchentag besuchen kann, bei dem es keinen Unterschied mehr macht, ob jemand katholisch oder evangelisch ist.

Frage: Wie wird Ostern 2026 bei Ihnen aussehen?

Strobl: Ostern ist für mich auch und vor allem ein Familienfest - und ja, Kirchgang und "Ostern in Rom" im Ersten gehören fest dazu. Die Weltkirche ist gerade in diesen kriegerischen Zeiten ein besonderes Symbol der Hoffnung.

Logo aus dem Vorspann des "Wort zum Sonntag"
Bild: ©ARD

Logo aus dem Vorspann des "Wort zum Sonntag"

Frage: "Das Wort zum Sonntag" und Gottesdienst-Übertragungen sind feste Punkte im Programm des Ersten. Wird das auch in Zukunft so bleiben?

Strobl: "Das Wort zum Sonntag" und auch die Gottesdienst-Übertragungen prägen das ARD-Programm seit Jahrzehnten – "Das Wort zum Sonntag" sogar schon seit mehr als 70 Jahren. Für viele Menschen ist diese kurze Sendung ein vertrauter Moment der Besinnung am Wochenende, der Gedanken aus dem Alltag aufgreift und einen anderen, manchmal auch hoffnungsvollen Blick darauf ermöglicht.

Mich begeistert, wie sich "Das Wort zum Sonntag" in den letzten Jahren gemeinsam mit seinen Zuschauerinnen und Zuschauern weiterentwickelt hat – und nach wie vor eine solche Kraft entfaltet. Auch die Gottesdienst-Übertragungen sind ein fester Bestandteil des ARD-Programms. Der öffentlich-rechtliche Rundfunk soll Orientierung bieten – und das tun wir gerade auch mit diesen Programmen. Das wird auch in Zukunft so sein, und nicht nur, weil der Gesetzgeber das rechtlich verbindlich für die sogenannten Verkündigungssendungen festgeschrieben hat.

Frage: Inwieweit wirken sich Sparmaßnahmen und die Bildung von Kompetenzbereichen im Ersten auf den Programmbereich Religion aus?

Strobl: Um Kräfte zu bündeln und das Thema Religion weiterhin stark im Programm zu verankern, haben wir die ARD-Gemeinschaftsredaktion "Religion und Leben" geschaffen, federführend beim Bayerischen Rundfunk (BR). Ziel dieser Gemeinschaftsredaktion ist es, Religion und Fragen des Lebens nicht nur im klassischen Fernsehen, sondern crossmedial über alle Kanäle – also Streaming, TV und Radio – in unterschiedlichen Programmformen zu thematisieren.

Frage: Warum braucht es im Jahr 2026 noch Formate wie das "Wort zum Sonntag"?

Strobl: Gerade in einer zunehmend säkularen und zugleich fragmentierten Gesellschaft ist eine christliche Perspektive im öffentlich-rechtlichen Raum wichtig. Das "Wort zum Sonntag" ist dafür das beste Beispiel: Jeden Samstag nach den "tagesthemen" werden hier Gedanken aus dem Alltag aufgegriffen und dazu eingeladen, das, was Menschen bewegt, aus einem anderen Blickwinkel zu betrachten. Dabei spendet die Sendung Mut und Hoffnung – und leistet im besten Sinne des Wortes auch Lebenshilfe.

Besonders spürbar wird dies in Momenten großer Verunsicherung, etwa angesichts von Kriegen oder Terroranschlägen. In solchen Situationen ist es wichtig, dass "Das Wort zum Sonntag" tagesaktuell bleibt und auch kurzfristig Themen aufgreifen kann, die suchenden Menschen helfen, Worte zu finden, die einordnen, trösten und Hoffnung geben.

„Für mich ist Glaube Trost und Hoffnung im Alltag, aber man kann ihn nicht erzwingen.“

—  Zitat: Christine Strobl

Frage: Was war für Sie die größte Veränderung beim kirchlichen Programm in Ihrer Amtszeit als ARD-Programmdirektorin?

Strobl: Es gab nicht die eine große Veränderung, sondern wir haben uns auch in diesem Bereich kontinuierlich weiterentwickelt. So haben wir beispielsweise im vergangenen Jahr in der Viertelstunde vor acht vor Weihnachten begonnen, wieder die Gedanken und Hintergründe der christlichen Feiertage stärker ins Programm und damit ins Bewusstsein unserer Zuschauerschaft zu rücken. Dies werden wir im Rahmen unserer neuen Sendungsreihe "Holy Days" zu Ostern, Christi Himmelfahrt, Pfingsten und Weihnachten fortsetzen.

Aber auch die Einrichtung der Gemeinschaftsredaktion "Religion und Leben" ermöglicht uns – jetzt auch im Bereich der Religion –, unseren unique selling point, die Regionalität und lokale Verbundenheit der Landesrundfunkanstalten, noch stärker auszuspielen.

Frage: Was wünschen Sie dem Ersten und dem Programmbereich "Religion und Leben" für die Zukunft?

Strobl: Wir müssen in diesem Programmbereich noch eine relevante digitale Antwort finden, um die Lebenshilfe, die Kirche und Religion leisten, gerade auch jüngeren Zielgruppen anbieten zu können. In Zeiten von wachsendem Populismus, Falschinformationen und Hasskommentaren im Netz ist es besonders wichtig, hier eine verlässliche Anlaufstelle zu sein. Dieser Verantwortung wollen wir uns bewusst stellen – durch qualitativ hochwertige Angebote auch in einer Streamingwelt, die Orientierung geben, Einordnung leisten und den Menschen wirklich zuhören – jedenfalls wünsche ich mir das.

Frage: Wenn Sie jungen Menschen einen einzigen Gedanken zum Thema Glaube mitgeben dürften: Welcher wäre das?

Strobl: Für mich ist Glaube Trost und Hoffnung im Alltag, aber man kann ihn nicht erzwingen.

Von Wolfgang Wittenburg (KNA)