Aufruf zu Engagement für Versöhnung

Deutsche Bischöfe betonen zu Ostern Hoffnung auf Frieden

Veröffentlicht am 05.04.2026 um 15:55 Uhr – Lesedauer: 

Bonn ‐ Kriege und Krisen: Die deutschen Bischöfe haben zu Ostern zum Engagement für Frieden und Versöhnung aufgerufen. Die Botschaft von der Auferstehung sei das Gegenbild zu Zerstörung, Tod und Depression.

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Angesichts der zahlreichen Kriege und Konflikte weltweit haben die deutschen Bischöfe zu Ostern zum Engagement für Frieden und Versöhnung aufgerufen. "Ostern ist eine Rebellion gegen den Tod", sagte der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Bischof Heiner Wilmer. Die Auferstehung sei eine "skandalöse Idee; man muss schon ein wenig verrückt sein, um das zu behaupten." Sie stelle eine bewusste Gegenposition zu Hoffnungslosigkeit dar, so der Hildesheimer Bischof in seiner Osterpredigt. Die christliche Botschaft widerspreche der Vorstellung, dass das Leben mit dem Tod ende. Wilmer, der im Juni als Bischof nach Münster wechselt, ermutigte die Christen, auch in schwierigen Lebenslagen an dieser Hoffnung festzuhalten.

Der Münchner Kardinal Reinhard Marx sagte in der Osternacht, die Menschen sollten sich in ihrem Engagement für Frieden und Solidarität nicht entmutigen lassen. Ostern unterstreiche, dass die Hoffnung auf eine bessere Welt keine naive Träumerei, sondern realistisch sei. Gerade jetzt brauche es österliche Menschen, die sich mit ihrer Begeisterungsfähigkeit gegen Egoismus, Hass und Verschwörungstheorien stellten, so Marx. Die Geschichte der Menschheit sei nicht nur eine von Siegern und Besiegten, sondern ebenso von Frieden, Solidarität und Gerechtigkeit.

Suche nach Friedensordnung

Auch der Kölner Kardinal Rainer Maria Woelki hob die Friedensbotschaft von Ostern hervor. Das Leiden in der Ukraine, im Libanon, in Palästina und andernorts sei unübersehbar. In dieser Situation sei Ostern, mit der Auferstehung Jesu als Friedenssieg, hochaktuell, so der Erzbischof. Immer mehr Menschen suchten nach einer Friedensordnung, die überall auf der Welt gelte. "Ist das ein Traum, den man vergessen kann? Ist das ein Trick, den man entlarven muss? Nein! Es ist das Gebot der Stunde", so Woelki.

Paderborns Erzbischof Udo Markus Bentz sprach von einem "Empowerment zum Leben". Ostern bedeute, dass mit den Tatsachen der Welt noch nicht alles abgetan sei.

Bischof Heiner Wilmer bei einer Pressekonferenz
Bild: ©KNA/Katharina Gebauer (Archivbild)

"Ostern ist eine Rebellion gegen den Tod", sagte der DBK-Vorsitzende Heiner Wilmer.

Für den Essener Bischof Franz-Josef Overbeck ist Ostern eine Zeitenwende. Christen müssten in dieser Zeit extremster Veränderungen und Bedrohung zeigen, was es heißt, eine Zeitenwende zu gestalten. "Es geht dabei weder um Naivität noch um moralische Appelle oder zynischen Irrtum, sondern es geht darum, Recht und Menschen zu schützen." Es gelte die Überzeugung, dass nicht das Recht des Stärkeren siegen dürfe, sondern die Stärke des Rechts.

Der Aachener Bischof Helmut Dieser beschrieb die Osterbotschaft als das "unbegreifliche Duell" zwischen Tod und Leben. Gefeiert werde der Sieg des Lebenden, der durch den Tod hindurchgeht und gerade so Herr über den Tod wird. Genau in diesem österlichen Paradox liege der Kern des christlichen Glaubens.

Der Hamburger Erzbischof Stefan Heße zeigte sich überzeugt, dass diese Botschaft auch heute noch Kraft habe, Menschen zu verändern. "Entscheidend ist, ob wir ihr Raum geben und sie leben."

"Hinübergang zum Leben"

Der Osnabrücker Bischof Dominicus Meier rief dazu auf, Ostern als persönlichen und gesellschaftlichen "Hinübergang zum Leben" zu sehen. Ostern bedeute nicht nur Erinnerung, sondern konkrete Wirklichkeit für das Leben heute, betonte der Bischof. Wie das Volk Israel aus der Enge Ägyptens herausgeführt wurde, so gehe es auch im christlichen Glauben um Befreiung, Aufbruch und Zukunft. Diese Dynamik zeige sich besonders in der Begegnung der Frauen am leeren Grab. An ihrem Beispiel werde deutlich, was Ostern heute bedeute: der mutige Aufbruch aus Angst, Isolation und Resignation hin zu neuem Leben.

"Gerade in einer Zeit mit so viel Krieg und Elend, in einer Zeit gefüllt mit so viel Verzweiflung und Wirrsinn, in einer Zeit der Gewalt und des Terrors bekennen und hoffen wir auf den Auferstandenen", sagte der Berliner Erzbischof Heiner Koch. Die Botschaft der Auferstehung sei, dass sich Jesus niemals zurückziehe und die Menschen nicht alleinlasse.

Bild: ©KNA/Andre Zelck (Archivbild)

Christen müssten in dieser Zeit extremster Veränderungen und Bedrohung zeigen, was es heißt, eine Zeitenwende zu gestalten, sagte der Essener Bischof Franz-Josef Overbeck.

Das Osterfest setze Egoismus und Abschottung bewusst ein anderes Bild entgegen, hob der Bischof von Dresden und Meißen, Heinrich Timmerevers, hervor: Nicht das Gesetz des Stärkeren stehe im Mittelpunkt, sondern ein Mensch, der sich aus Liebe für andere hingebe und Leid nicht auf Abstand halte. Darin liege eine bleibende Herausforderung für die Gegenwart.

Durch die der Osterbotschaft zugrunde liegende Hoffnung werde die Welt nicht plötzlich völlig anders und Ungerechtigkeit, Kriege, Gewalt und Zerstörung verschwänden nicht einfach, sagte der Magdeburger Bischof Gerhard Feige. "Ohne das Negative auszublenden, wird uns aber eine neue Perspektive geschenkt."

Motivationsschub für Engagement

Einen Motivationsschub zum Einsatz für Benachteiligte sieht der Erfurter Bischof Ulrich Neymeyr im Osterfest: "Wer Ostern ernst nimmt, wird die Würde eines jeden Menschen wahren. Er wird gegen die Selbstgenügsamkeit den entscheidenden Schritt tun und für Benachteiligte, Alte, Behinderte, Ausgegrenzte und Schwache Partei ergreifen."

Ostern gibt Christen laut dem Görlitzer Bischof Wolfgang Ipolt Orientierung für ihr Leben und ihre Bestimmung. "Die biblische Botschaft sagt uns, woher wir kommen und was wir sind - Bild Gottes und geliebtes Geschöpf. Aber Ostern sagt uns auch, wohin wir gehen, was das Ziel des Menschen ist", erklärte Ipolt in seiner Osterbotschaft. Der Tod sei nur "der Durchgang zu dem großen Ziel der bleibenden Gemeinschaft der Menschen mit Gott im Himmel". Dieses Ziel nicht aus den Augen zu verlieren, sei und bleibe die große Herausforderung für jeden Christen inmitten von vielen anderen Angeboten.

Ein gemeinsamer Wertekanon gehe derzeit verloren, bemängelte der Erzbischof von Freiburg, Stephan Burger. An seine Stelle trete das rücksichtslose Durchsetzen von Einzel- und nationalstaatlichen Interessen. Wichtig sei jetzt, dieser "zerbrochenen Welt, der Welt der Katastrophen und Irrtümer" etwas Positives entgegenzusetzen. Die Botschaft der Auferstehung werde ganz real in zwischenmenschlichen Begegnungen.

Bischof Georg Bätzing predigt
Bild: ©KNA/Harald Oppitz (Archivbild)

Limburgs Bischof Georg Bätzing betonte in seiner Predigt, Menschen dürften auf Zukunft hoffen, auf Frieden und Gerechtigkeit.

Zum Widerstand gegen autoritäre Regime und die Unterdrückung von Menschenrechten rief der Bischof von Speyer, Karl-Heinz Wiesemann, auf. Auftrag der Kirche sei es, sich an die Seite derer zu stellen, die von anderen unterdrückt und erniedrigt werden.

Der Bischof von Limburg, Georg Bätzing, ermutigte die Menschen in seiner Predigt zu Heiterkeit. Sie dürften auf Zukunft hoffen, auf Frieden und Gerechtigkeit. Heiterkeit habe etwas Tröstliches, gerade wenn sie in Verbindung mit dem Ernst des Lebens stehe und zeige, wie man ihm entkommen könne, so Bätzing.

"Ostern beginnt im Dunkeln"

Der Rottenburger Bischof Klaus Krämer rief zu österlicher Zuversicht auf – auch in Zeiten von weltweiten Kriegen und Konflikten. Ostern bedeute Hoffnung, auch wenn vieles gerade ins Wanken gerate, sagte er: "Ostern beginnt nicht im Hellen. Es beginnt im Dunkel, in Angst und Verunsicherung. Und genau da spricht Gott sein Ja zum Leben." Ostern bedeute Hoffnung, auch wenn vieles gerade ins Wanken gerate, sagte der Bischof. Er mahnte, nicht gleichgültig zu werden gegenüber den Bildern der jüngsten Kriege. Auch in Deutschland sei jeder aufgerufen, Ausgrenzung entgegenzutreten und sich für Respekt und Achtsamkeit zu engagieren.

Gegen eine Liberalisierung von Bestattungen sprach sich der Mainzer Bischof Peter Kohlgraf aus. Er nutzte seine Osterpredigt, um das seit Januar geltende rheinland-pfälzische Bestattungsrecht zu kritisieren. Beisetzungen würden zunehmend anonymer: "Kern der christlichen Auferstehungshoffnung ist aber, dass jeder Mensch beim Namen gerufen ist und in Gottes Händen Leben findet."

Der Bamberger Erzbischof Herwig Gössl hob hervor, dass Ostern neue Wege eröffne. "Menschen voller Osterglauben sind für unsere kriegszerfressene, hasserfüllte Welt so unendlich wichtig."

Herwig Gössl ist Erzbischof von Bamberg
Bild: ©KNA/Katharina Gebauer (Archivbild)

"Menschen voller Osterglauben sind für unsere kriegszerfressene, hasserfüllte Welt so unendlich wichtig", sagte der Bamberger Erzbischof Herwig Gössl.

An die erste Zeugin der Auferstehung, Maria Magdalena, erinnerte der Augsburger Bischof Bertram Meier. Ihr Wirken sei mindestens genauso wichtig wie das der zwölf Jünger Jesu.

Der Übergangsleiter des Bistums Eichstätt, Alfred Rottler, sieht in der Osterbotschaft einen Trost in der aktuell unsicheren Weltlage. Diese mache vielen Menschen Angst, sagte Rottler am Ostersonntag im Eichstätter Dom. Die Osterbotschaft aber könne Zuversicht verleihen. In ihr stecke eine ungemein große und tiefe Hoffnung. Quelle dieser Hoffnung sei Jesus, der Auferstandene. "Er kennt immer noch Perspektiven, wo unsere Möglichkeiten schon längst am Ende sind."

Wandlung durch Trauer

In Würzburg stellte Bischof Franz Jung die österliche Botschaft in den Zusammenhang existenzieller Erfahrungen von Abschied und Trauer. Trauer dürfe nicht verdrängt werden. Sie brauche Zeit und Raum. Erst wenn Menschen diese Trauer wirklich durchlebten, könne sich Wandlung vollziehen. Das zeige sich im Osterevangelium, als Maria von Magdala den auferstandenen Christus zunächst nicht erkenne und erst im persönlichen Angesprochenwerden zum Glauben finde. Aus den Tränen der Trauer würden so Tränen der Freude.

In Passau sagte Bischof Stefan Oster, die Versuchung, andere klein zu halten, um selber groß zu sein, durchziehe diese Welt mit Katastrophen. Jesus, der die Revolution, die Auferstehung verursache, habe sich selber klein gemacht und Leiden auf sich genommen. Er mache deutlich, was Menschsein in der Fülle heißen könne. Oster verwies auf Fußballfans, die mit ihrem Verein durch Freud und Leid gingen. Christen sollten sich die Frage stellen, ob sie sich Jesus auch derart zugehörig fühlten: "Warum? Weil er für uns gestorben und auferstanden ist." (mal/KNA)

Wird ergänzt.