Irritation über Dompfarrer Toni Faber

Grünwidl: Zölibat "tolle Lebensform" – aber offen für Veränderungen

Veröffentlicht am 08.04.2026 um 09:33 Uhr – Lesedauer: 

Wien ‐ Erneut spricht sich der neue Wiener Erzbischof für Reformen des verpflichtenden Zölibats für Priester aus. In einem prominenten Fall aus seiner Erzdiözese sieht er aber Bedarf für ein klärendes Gespräch.

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Der Wiener Erzbischof Josef Grünwidl hält den Zölibat für eine "tolle Lebensform". In einem Interview mit der "Tiroler Tageszeitung" wirft er aber die Frage auf, ob zölibatäres Leben immer eine Voraussetzung sein muss, um Priester sein zu können. Ein Rezept gegen den Priestermangel sei eine Öffnung nicht: "Ein Abgehen vom Zölibat oder die Frauenfrage werden nicht dazu führen, dass die Kirche wieder explodiert und wächst und wieder die Massen begeistert."

Er selbst lebe seit 40 Jahren im Zölibat und halte die Regel nicht für überkommen. Mit Blick auf den Umgang des Wiener Dompfarrer Toni Faber mit dem Zölibat zeigte sich der Wiener Erzbischof irritiert. Faber tritt regelmäßig mit einer Frau in der Öffentlichkeit auf, die er als "sehr gute Freundin" bezeichnet, für die er sich als "ständige Begleitung" entschieden habe. Grünwidl lobte das pastorale Engagement Fabers. "Beim Zölibat hat er aber eine Lösung gefunden, mit der ich mir schwertue. Wir sind im Gespräch, um eine Lösung zu finden", so der Erzbischof weiter.

Plädoyers für Reformen

Für Grünwidl handelt sich beim Zölibat um eine theologische Frage, die man klären müsse. "Es war auch in unserer Kirche nicht immer so, dass der Zölibat vorgeschrieben war", betonte er. "Ich wäre glücklicher, wenn man über diese Frage nachdenkt und dann sagt, wer sich für das zölibatäre Leben berufen fühlt, soll das so leben – aber dass es auch die Möglichkeit gibt, mit Familie Priester zu sein."

Grünwidl ist seit Januar Erzbischof von Wien. Schon vor seiner Weihe hatte er deutlich gemacht, dass er für Veränderungen beim Zölibat plädiere, dabei aber immer in Einheit mit der Kirche agieren wolle. Anfang des Monats forderte er insbesondere in der "Frauenfrage" Veränderungen: "Wenn wir die Ergebnisse der jüngsten Weltsynode ernst nehmen, dann müssen sich auch manche Bestimmungen, Traditionen und auch kirchenrechtliche Regelungen ändern". (fxn)