Herrgottskinder – Die Elternkolumne

Warum der Papst keine Kinder hat

Veröffentlicht am 20.04.2026 um 00:01 Uhr – Von Stefanie Heinrichs – Lesedauer: 

Bonn ‐ Auf dem Heimweg vom Kindergarten stellt Stefanie Heinrichs' Tochter eine einfache Frage über den Papst – und bringt damit ein komplexes Thema der Kirche ins Rollen: den Zölibat und die Schwierigkeit, klare Antworten zu geben.

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Neulich, auf dem Heimweg vom Kindergarten, blieb ich mitten auf dem Bürgersteig stehen. "Warum hat er Papst keine Kinder?", fragte meine Tochter ganz unvermittelt. Neben uns klingelte ein Fahrrad, jemand schob sich vorbei, und ich versuchte, meine Gedanken zu sortieren. "Wie kommst du denn darauf?", fragte ich, um mir Zeit für eine Antwort zu verschaffen.

"Na, der ist doch auch ein Mann", sagte meine Tochter. "Und Männer haben doch manchmal Kinder. Wie Papa." So einfach kann die Welt sein. Und so kompliziert wird sie, sobald man versucht, sie zu erklären.

Ich fing an, etwas von "Zölibat" zu erzählen. Ein Wort, das sich schon beim Aussprechen sperrig anfühlt. Ich verwarf das wieder, weil die Worte sich in meinen Ohren zu kompliziert für ein Kindergartenkind anfühlten. Also erklärte ich, dass Priester – und damit auch der Papst – sich entscheiden, nicht zu heiraten und keine Familie zu gründen.

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"Aber warum?" Ich suchte nach einer Antwort, die nicht zu groß und nicht zu glatt war. Da sagte sie plötzlich: "Meine Freundin Lina hat erzählt, dass Emils Eltern gar nicht verheiratet sind. Aber das geht doch gar nicht. Man muss doch verheiratet sein, um Kinder zu bekommen." Ich musste kurz schlucken. Offenbar gibt es da schon früh diese Vorstellung, dass Dinge zusammengehören: erwachsen sein, heiraten, Kinder bekommen. Und wer davon abweicht, fällt auf. 

"Doch", sagte ich schließlich. "Das geht schon." "Aber ... dann ist das doch falsch, oder?" Ich merkte, wie ich zwischen all den Erwartungen stand – denen der Kirche, denen der Gesellschaft, meinen eigenen. "Ich glaube, es ist vor allem anders", sagte ich langsam und fügte leise hinzu: "Und manchmal auch kompliziert."

Priester hält Frauenhand
Bild: ©AdobeStock/ Photographee.eu (Symbolbild)

Zölibat: Katholische Priester dürfen nicht heiraten.

Ich sagte etwas von "ganz für Gott da sein". Dass seine Zeit und Aufmerksamkeit nicht nur einer eigenen Familie gehören sollen, sondern allen Menschen. Während ich sprach, hörte ich mich selbst – und war nicht sicher, ob meine Tochter mir glaubte.

Sie runzelte die Stirn. "Aber Kinder sind doch auch Menschen." Da hatte sie mich wieder. Ich dachte an das laute Leben mit Kindern. An Frühstückstische, die nie still sind. An Streit und Lachen und daran, wie voll sich Tage anfühlen können. Und daran, dass dieses lebendige Familienleben fehlen würde, wenn man sich anders entscheidet. "Stimmt", sagte ich. "Kinder sind sogar ziemlich wichtige Menschen."

Eine Weile liefen wir schweigend nebeneinander. "Ist das traurig!", fragte mein Kind schließlich. Ich zuckte mit den Schultern. "Ich glaube, das kommt darauf an. Vielleicht ist es für manche traurig. Für andere genau richtig." Und für wieder andere einfach schwer zu verstehen. Mein Kind nickte. "Vielleicht hat der Papst ja ganz viele Patenkinder", sagte sie dann. "Mit denen kann er dann Eis essen gehen oder zum Spielplatz." Ich musste lächeln. Vielleicht ist das die bessere Antwort.

Von Stefanie Heinrichs