Herrgottskinder – Die Elternkolumne

War's das schon mit Ostern? Was nach dem Halleluja bleibt

Veröffentlicht am 06.04.2026 um 00:01 Uhr – Von Melina Schütz – Lesedauer: 

Bonn ‐ Zwei Jünger erkennen Jesus nicht – und wir oft auch nicht. Warum Ostern gerade dann beginnt, wenn es nicht mehr festlich ist. Gedanken zum Ostermontag zwischen Emmausweg und Familienalltag von Melina Schütz.

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"Kann ich was aus meinem Osternest essen?", fragt das Kind noch im Schlafanzug. "Nach dem Essen", antworte ich knapp. "Aber heute ist doch Ostern!", kommt die empörte Antwort meines Sohnes. Ich will widersprechen – und merke: So ganz stimmt das ja nicht. Natürlich ist noch Ostern. Denn die Kirche feiert weiter. Auch wenn es sich bei uns zu Hause schon nicht mehr so festlich, sondern eher nach Normalität anfühlt.

Das Adrenalin der Kinder hat sich wieder eingependelt, nur der Zuckerkonsum bleibt noch erhöht. Schließlich dürfen die Schokohasen, die es auch in unserem katholischen Haushalt gibt, nicht verkommen und das gleiche traurige Dasein erleiden wie die Schoko-Nikoläuse, aus denen am Ende regelmäßig Kuchenzutaten werden. Der Ostermontag kommt unscheinbar daher. Für viele in meinem Umfeld ist seine Bedeutung gar nicht mehr klar. Ostern ist kein einzelner Moment, nach dem Motto: "Zack, jetzt ist alles gut." Das zeigt sich auch daran, dass die Kirche von einem Osterfestkreis spricht. Denn Ostern wird bis Pfingsten gefeiert. Das Osterereignis ist nur der Anfang von etwas, das sich erst im Alltag beweisen muss.

Welcher Ort wäre ehrlicher als der Familienalltag?

Und welcher Ort wäre ehrlicher als der Familienalltag? Ein Ort, an dem Schokoeier Gerechtigkeitsdebatten auslösen und Streit schnell existenziell wird – und in dem doch alles eng mit Liebe und Hoffnung verwoben bleibt. Ein Ort, der jeden von uns auf die eine oder andere Weise geprägt und zu den Menschen gemacht hat, die wir heute sind. Ein Ort, an dem Hoffnung nicht verkündet wird, sich aber darin zeigt, dass man jeden Tag wieder neu anfängt. Trotz Streit, trotz durchwachter Nacht, Teenager-Launen oder Trotzphasen. Familie eben.

Das Evangelium erzählt heute von zwei Jüngern auf ihrem Weg nach Emmaus. Sie sind unterwegs, sie reden, sie zweifeln, sie hinterfragen. Und mittendrin, während sie so gehen und reden, begegnet ihnen das Göttliche. Banaler könnte es kaum sein. Und weiter erzählt das Evangelium, dass die beiden Jesus nicht erkennen.

Ostermontag ist nicht der "kleine Ostersonntag"

Unser Alltag ist selten festlich. Er ist chaotisch, laut und unperfekt. Genau darüber schreiben wir hier in unserer Kolumne häufiger. Aber vielleicht ist Auferstehung genau dort, wo wir uns nicht bemühen, alles richtig zu machen. Uns nicht stupide an Regeln halten, nicht gefallen wollen. Vielleicht ist Ostern also für all die Momente, in denen wir nicht merken, dass da jemand mit uns geht. Wenn das Kind nach einem Wutanfall wieder in den Arm kommt, wenn auch wir Eltern einen Fehler zugeben, wenn aus "keine Lust" ein "es-trotzdem-machen" wird oder aus Hetze ein Innehalten.

Als ich meinem Sohn die Geschichte des Emmaus-Gangs vorlese, sagt er: "Ach Mama, das hätte dir auch passieren können, dass du Jesus nicht erkennst." "Meinst du?", hake ich nach. "Ja, du gehst immer so schnell." Ostermontag ist nicht der "kleine Ostersonntag". Er ist die große Hoffnung, die Auferstehung auch im Kleinen erleben zu dürfen. Damit sich die Auferstehung nicht nur am leeren Grab zeigt, sondern auch am Küchentisch, dem Fußballplatz oder dem Schulhof. Denn auch dafür ist Jesus gestorben und auferstanden.

Von Melina Schütz