Kohlgraf: Medien haben Missbrauchsaufarbeitung Schub gegeben

Der Mainzer Bischof Peter Kohlgraf hat die Rolle der Medien bei der Aufarbeitung des Missbrauchsskandals in der katholischen Kirche gewürdigt. "Ich würde sogar sagen, etwa im Hinblick auf die Aufarbeitung des sexuellen Missbrauchs in der Kirche haben die Medien einen wichtigen Schub gegeben, dass sich die Kirche überhaupt diesem Thema gestellt hat", sagte er in der aktuellen Folge seines Podcasts "Lebensfragen". Dass Medien kirchenkritisch berichteten, sei für ihn kein Problem, so Kohlgraf. Er ärgere sich persönlich lediglich, wenn er den Eindruck habe, dass nicht richtig recherchiert worden sei.
Die Gesprächspartnerin im Podcast, ZDF-Chefredakteurin Bettina Schausten, bedauerte es, dass der langjährige Missbrauchsskandal die Stimme der Kirche in der Öffentlichkeit gehemmt habe. "Wo sitzen heute noch kirchliche Stimmen, starke Stimmen in Talkshows?" Das liegt aus Sicht der Journalistin auch daran, dass Kirchenvertreter fürchteten, immer wieder mit dem Thema Missbrauchsaufarbeitung konfrontiert zu werden. "Da muss man irgendwie raus und ich sehe nicht, dass sie die Idee hätten, wie das geht." Zudem fehlten charismatische Persönlichkeiten.
"Ich glaube, da ist viel, viel, viel geschehen"
Kohlgraf betonte, dass er nach acht Jahren als Bischof heute Medien mit einem anderen Selbstbewusstsein gegenübertrete. Zur Missbrauchsaufarbeitung und -prävention erklärte der Bischof: "Ich glaube, da ist viel, viel, viel geschehen. Aber dennoch bleibt man immer in dieser Position: Ich erkläre, dass wir doch eigentlich besser sind, als ihr alle meint." So erreiche man aber keine Glaubwürdigkeit.
Auch wenn es wichtig sei, dass ein Bischof als glaubwürdig betrachtet werde, könne die Glaubwürdigkeit der Kirche letztlich nicht nur an diesem Amt hängen. "Am Ende sind es auch die vielen Menschen vor Ort, die tatsächlich auch Kirche und Glauben leben. Und ich glaube, dass es die gibt." Glaubwürdigkeit könne er allerdings nicht einfordern, sondern sich nur schenken lassen.
Die ZDF-Chefredakteurin und Katholikin Schausten berichtete, sie habe sich immer wieder gefragt, ob sie Mitglied der Kirche bleiben könne. Bei aller Kritik habe sie jedoch immer eine persönliche Verbindung gespürt: "Was mich an der katholischen Kirche immer begeistert hat, ist das Globale: Also wo ist eine Organisation, die wirklich noch weltumspannend agiert und auch Dinge einschätzen kann und auch relativ nah an den Menschen ist?", so Schausten. "Da gib es nicht mehr so viele." Dort lägen Chancen. Die Bischöfe rief Schausten dazu auf, auf die Frauen zu schauen. Sie wisse, dass das teilweise schon passiere, die Reformentwicklungen etwa beim Synodalen Weg seien aber noch nicht überzeugend. "Bleiben Sie nah an den Menschen und gehen Sie auch mit den Menschen in die Zukunft." (cbr)