Wie eine Künstlerin ihre Landschaften in die Kirche bringt

Alwine Baresch hat in einer Kölner Kirche eine neue Landschaft erschaffen: Vier Monate lang hat die 31-Jährige in der Kölner Kirche St. Maria in Lyskirchen als "Artist in Residence" gearbeitet. Im Juni werden ihre Kunstwerke im Kirchenraum ausgestellt. Mitten im Entstehungsprozess der vier Bilder gab Alwine Baresch katholisch.de ein Interview. Darin erzählt sie von ihrem Arbeitsprozess, wie sie den sakralen Raum gestaltet und was sie mit der Kirche verbindet.
Frage: Wie sind Sie zum Malen gekommen?
Baresch: Ich habe früh angefangen. In der Schule wurde es mir im Kunstunterricht irgendwann zu langweilig, ich hatte Lust auf mehr. Also habe ich an der Volkshochschule an Malkursen teilgenommen und im Sommer draußen gemalt. Mir war klar: Ich will Kunst studieren. Also habe ich in alle Techniken vom Portrait bis zur Aktmalerei reingeschnuppert. Besonders fasziniert hat mich aber von Anfang an die Landschaftsmalerei.
Frage: Woher nehmen Sie Ihre Inspiration?
Baresch: Ich verarbeite größtenteils Erfahrungen in meinen Bildern, die ich im Alltag oder auf Reisen mache. Allerdings beeinflusst mich auch das Umfeld, in dem ich arbeite. In Köln war ich zum Beispiel mitten in der Stadt in der Kirche St. Maria in Lyskirchen – und die findet sich auch in meinen Bildern wieder. Eine Farbe, die ich toll fand, habe ich zum Beispiel aus den Kirchenfenstern geklaut. Sehr beeindruckt haben mich auch die mittelalterlichen Fresken in der Kirche: In einem Bild habe ich zum Beispiel Bezug auf den Sternhimmel in den Gewölben genommen und kleine Sterne in meine Landschaft gemalt.
Frage: Warum haben Sie sich gerade bei der Kölner Residenceship beworben?
Baresch: Man bewirbt sich als selbstständige Künstlerin sehr viel. Ich bewerbe mich aber nur, wenn ich den Eindruck habe, dass dieses Projekt zu mir passt und ich eine grobe Vorstellung davon entwickeln kann, was ich dort eigentlich umsetzen möchte. So war es in Köln: Ich habe die Ausschreibung gelesen, Fotos von dem Kirchinnenraum und den Fresken gesehen – und war sofort inspiriert. Bei der Residence geht es um eine projektbezogene Arbeit und von so etwas in einer Kirche habe ich selten gehört. Ich bin katholisch aufgewachsen und gläubig, daher hat mich das angesprochen.
Der Innenraum der Kirche St. Maria in Lyskirchen wird im Zuge der Ausstellung vom 11.06.26 bis zum 27.06.26 von der Künstlerin Alwine Baresch mitgestaltet.
Frage: Die Werke sind sehr groß – mit Absicht?
Baresch: Ja, denn so ein Kirchenraum hält das aus. Ich weiß noch nicht, wie es aussehen wird, wenn alle vier Bilder von den Emporen herabhängen. Das wird bestimmt den Raum enorm verändern. Es soll der Architektur aber keine Konkurrenz machen. Ich bin mit meiner Kunst temporär in diesem Raum und gestalte ihn für kurze Zeit mit.
Frage: Wie wird sich der Raum verändern?
Baresch: Wenn alle vier Leinwände in der Kirche hängen, befinden sich die Besucher inmitten meiner Landschaft, die sich direkt an die Fresken anschließt. Es wird ein Zusammenspiel von meiner Arbeit und dem Kirchenraum entstehen: Meine Bilder fügen sich zwischen den dunklen Boden, die Erdtöne und die Fresken des Kirchenraums ein und es entsteht ein großes Ganzes.
Frage: Was war Ihnen bei der Arbeit wichtig?
Baresch: Es war mir wichtig, dass es "fließt". Man findet in meinen Arbeiten überall Wasser. In einem der Bilder schwimmen etwa Sterne über meine Landschaft, die ich von den Fresken übernommen habe. Man sieht sie auch erst auf den zweiten Blick. Manche, die sich das Bild angeschaut haben, hätten die Sterne gar nicht gesehen, hätte ich es nicht erzählt.
Eines der fertigen Bilder wurde zum Trocknen in der Kölner Innenstadtkirche aufgehängt.
Frage: Wie war Ihr Arbeitsprozess?
Baresch: Gerade bei so großen Bildern mache ich mir erst einmal eine kleine Skizze, denn da verliert man schonmal den Überblick. Das hat auch damit zu tun, dass ich meine Bilder auf der Empore nur in der Hocke malen konnte. Für vier Monate war das war meine Arbeits-Position. Als dann das erste Bild fertig war und trocknen sollte, haben wir es von der Empore gehangen. Als ich es dann so sah, sind mir direkt viele Stellen aufgefallen, wo ich noch nacharbeiten wollte. Ich bin da sehr perfektionistisch. Wirklich genießen kann ich meine Bilder immer erst im Nachhinein, mit zeitlichem Abstand.
Frage: Zwei der Bilder sind schon fertig, zwei weitere kommen noch. Was haben Sie vor?
Baresch: Ich bin selbst gespannt, wie das wird. Mir ist wichtig, dass die vier Bilder insgesamt eine abgeschlossene Arbeit ergeben. Die Farbpalette der ersten beiden Bilder möchte ich eins zu eins übernehmen. Ich habe dennoch den Anspruch, dass ich etwas in den weiteren Bildern verändre. Hier in meinem Atelier in Braunschweig, wo ich daran arbeiten werde, habe ich den Vorteil, dass ich das Bild aufstellen kann. In Köln auf der Empore konnte ich das nicht.
Frage: Wie war es, in einer Kirche zu arbeiten?
Baresch: Ich weiß nicht, ob das speziell mit Köln zu tun hat, aber mit der Gemeinde habe ich mich sehr gut verstanden. Die Mitglieder waren sehr offen und reflektiert: Es gab ein richtiges "Miteinander". Mir wurde von einem Gemeindemitglied wirklich viel geholfen, sei es mit der Materialbeschaffung oder dem Werkzeug. Die Küsterin ist zum Beispiel selbst Fotografin und hatte auch einen guten Blick für meine Anliegen. Gelernt habe ich, dass man Probleme lösen kann und gleichzeitig konnte ich viel für zukünftige Projekt mitnehmen. Als ich während der Adventszeit da war, war viel los. Das liegt aber auch bestimmt daran, dass die Kirche in der Innenstadt liegt und sowohl die Krippe als auch die Fresken die Besucher anziehen. Ich bin gespannt, wie es mit den Besuchern während meiner Ausstellung im Sommer sein wird.