Eintritt für den Kölner Dom? – "Aber das ist doch eine Kirche!"

HTML-Elemente (z.B. Videos) sind ausgeblendet. Zum Einblenden der Elemente aktivieren Sie hier die entsprechenden Cookies.
Neulich war der Kölner Dom bei uns zu Hause Gesprächsthema. Genauer gesagt: der kontrovers diskutierte Plan des Kölner Domkapitels, künftig Eintritt für den Besuch im Dom zu verlangen. Für meine Frau und mich ist das keine abstrakte Debatte. Bevor wir vor einigen Jahren nach Berlin gezogen sind, haben wir lange in Köln gewohnt, der Dom gehörte – wie wohl bei allen Kölnerinnen und Kölnern – gewissermaßen zu unserem Alltag.
Kaum hatten meine Frau und ich angefangen, über das Thema zu sprechen, standen schon unsere beiden Töchter neben uns. Sie kommen immer gerne aus ihren Kinderzimmern angelaufen und wollen stets mitreden – egal, worum es gerade geht. "Worum geht's?", fragte denn auch unsere große Tochter – eine Frage, die nur selten eine kurze Antwort nach sich zieht. Also erklärten wir: dass der Kölner Dom sehr viele Besucher hat, dass sein Unterhalt viel Geld kostet und dass manche finden, Eintritt könne helfen. Und andere eben nicht.
Kirchen sind keine Museen
Unsere große Tochter, die noch in Köln geboren wurde, runzelte die Stirn. "Aber der Dom ist doch eine Kirche", sagte sie. In diesem "doch" steckte bereits ein ganzes Argument. Kirchen, das weiß sie als Messdienerin aus eigener Erfahrung, sind keine Museen. In ihrer Welt geht man vor allem deshalb in eine Kirche, um Gottesdienst zu feiern oder eine Kerze anzuzünden. Und dafür bezahlt man nicht.
Werden die Domschweizer demnächst kontrollieren, wer warum in den Dom geht – und gegebenenfalls Eintritt kassieren?
Ihre kleine Schwester dachte gleich über mögliche Konsequenzen für uns nach. "Müssen wir dann auch Geld zahlen, wenn wir nächstes Mal in den Gottesdienst gehen?", fragte sie. Eine gute Frage – und eine, die zeigt, worum es im Kern geht. "Natürlich nicht", erklärte ich. Niemand soll fürs Beten Eintritt zahlen müssen – auch nicht im Kölner Dom. Aber wie trennt man die, die nur schauen wollen, von denen, die wirklich kommen, um zu beten oder zum Gottesdienst zu gehen? Und ist diese Trennung überhaupt sinnvoll?
"Der Kölner Dom ist kein normales Gebäude"
Das Gespräch mit unseren Töchtern wurde schnell grundsätzlicher, als ich es erwartet hatte. Wir sprachen darüber, dass ein Ort wie der Dom beides ist: ein Gotteshaus und ein weltberühmtes Bauwerk. Dass Menschen aus aller Welt kommen, um ihn zu sehen. Aber eben auch darüber, dass ein Kirchenraum etwas anderes ist als eine touristische Sehenswürdigkeit. "Der Kölner Dom ist kein normales Gebäude", sagte ich. Er ist Glaubensort, architektonisches Weltwunder und für viele Kölnerinnen und Kölner das Wahrzeichen ihrer Stadt und damit ein Stück Heimat. Vielleicht macht genau das die Debatte um den Plan des Domkapitels so schwierig: Weil es dabei nicht nur um Geld geht, sondern um die Frage, wem der Dom eigentlich gehört – und wie offen er bleiben soll.
Wir haben bei unserem Gespräch zu Hause keine Lösung gefunden – so wie ja auch in Köln noch um den richtigen Weg in Sachen Dom-Eintritt gerungen wird, wenn ich das richtig mitbekommen habe. Was mich aber gefreut hat: dass unsere Töchter ganz selbstverständlich davon ausgegangen sind, dass eine Kirche offen und für jedermann auch ohne Eintritt bezahlen zu müssen zugänglich sein sollte.