Standpunkt

Der Kulturstaatsminister und die Sache mit der Demut

Veröffentlicht am 28.04.2026 um 00:01 Uhr – Von Pater Max Cappabianca – Lesedauer: 

Bonn ‐ Eine Herzensbindung zur Kirche und die Sehnsucht nach Gott: Der Kulturstaatsminister Wolfram Weimer wirbt für Wahrhaftigkeit und Demut. Doch Pater Max Cappabianca fragt sich, was daraus in der Praxis geworden ist.

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Wolfram Weimer wollte einmal Priester werden. Drei Monate verbrachte er bei den Jesuiten. Bis heute, sagt er, habe er eine "Herzensbindung zur Kirche". Er hat ein Buch geschrieben: "Sehnsucht nach Gott – Warum die Rückkehr der Religion gut für unsere Gesellschaft ist." Darin wirbt er für Wahrhaftigkeit und Demut. Das ist kein schlechtes Programm. Umso mehr schmerzt, was daraus in der Praxis geworden ist.

Bereits zu Beginn seiner Amtszeit als Kulturstaatsminister behielt er seine Beteiligung an der Weimer Media Group, die den Ludwig-Erhard-Gipfel organisiert – eine staatlich geförderte Veranstaltung mit Ministerbeteiligung. Der Vorwurf: fehlende Trennung von Amt und Eigeninteresse. Erst unter Druck übertrug er seine Anteile einem Treuhänder.

Im März strich er heimlich drei Buchhandlungen aus der Preisliste des Deutschen Buchhandlungspreises – nach einer Rückfrage beim Verfassungsschutz. Dass ein Kulturstaatsminister dafür einen Geheimdienst einschaltet, war ein Skandal für sich. Den Betroffenen teilte er das nicht mit. Die Absagen kamen per Formbrief: Entscheidung der Jury, stand drauf. Als alles aufflog, sagte er die Preisverleihung ab. Auf der Leipziger Buchmesse, wo sie hätte stattfinden sollen, wurde er mit Buhrufen empfangen.

Weitere Fälle folgen dicht: Den Erweiterungsbau der Deutschen Nationalbibliothek in Leipzig stoppte er mit der Begründung, körperliche Medienwerke seien "nicht mehr zeitgemäß" – obwohl bereits sieben Millionen Euro Planungskosten geflossen waren. Unter öffentlichem Druck ruderte er zurück. Und beim Gedenken zur Befreiung des KZ Buchenwald, wo ihn zwei Überlebendenverbände gebeten hatten fernzubleiben, störten Zwischenrufe und Gesänge seine Rede – und eine Rednerin kritisierte ihn öffentlich für seine Kulturpolitik.

Das ist keine Bilanz, die ein Kulturstaatsminister sich wünscht. Die Konsequenzen zu ziehen wäre der Sache dienlich – und würde auch jenen Werten entsprechen, für die er selbst eintritt: Wahrhaftigkeit, Demut und die Bereitschaft zur Umkehr.

Von Pater Max Cappabianca

Der Autor

Max Cappabianca ist Mitglied des Dominikanerordens und unter anderem als Moderator von Kirchensendungen in Sat.1 tätig.

Hinweis

Der Standpunkt spiegelt ausschließlich die Meinung der jeweiligen Autorin bzw. des Autors wider.