Vorgesetzte empört wegen heimlicher Romreise von Goldenstein-Nonnen

Die heimliche Romreise der drei Nonnen aus dem österreichischen Kloster Goldenstein empört ihre Vorgesetzten. Das für sie zuständige Stift Reichersberg teilte am Mittwoch mit, ein Sprecher der Schwestern habe am Dienstag die geplante Romreise offiziell abgesagt, während dieselbe Reise offenbar "fast gleichzeitig" begonnen habe. "Warum die Unterstützer:innen die Öffentlichkeit falsch informiert haben, entzieht sich ebenso unserer Kenntnis, wie die Eigeninteressen jener Personen, die hinter dieser Aktion stehen", erklärte Erzabt Jakob Auer.
Am Dienstag war bekanntgeworden, dass der Vatikan Auer als Vermittler für den seit 2025 schwelenden Klosterstreit eingesetzt hat. In diesem Zuge teilten die Schwestern mit, ihre Romreise abgesagt zu haben. Wenige Stunden später meldete der Vorgesetzte der Schwestern, Propst Markus Grasl, die betagten Nonnen seien aus ihrem Kloster verschwunden. Die Schwestern entgegneten, der neue vatikanische Vermittler sei über sämtliche Schritte informiert gewesen. Das sieht der allerdings anders: "Die Schwestern haben mir mehrfach – auch schriftlich – versichert, dass sie die ihnen angebotene Romreise nicht antreten werden."
"Gänzlich ungewöhnlich"
Der Erzabt teilte mit, er habe mittlerweile eine Mail von einem Anwalt der Schwestern gefunden, der ohne Angabe von Gründen, mitgeteilt habe, dass die Schwestern nach Rom gereist seien. Dazu erklärte Auer: "Seit gestern sind die Schwestern für mich nicht erreichbar." Das sei "gänzlich ungewöhnlich". Es sei zu befürchten, "dass die Schwestern bewusst von mir ferngehalten werden". Wie Auer weiter mitteilte, könne die Reise nur durchgeführt werden, wenn das zuständige Dikasterium in Rom eine Genehmigung erteile. "Diese Genehmigung liegt nach Information der zuständigen Stellen, trotz anderslautender Aussagen des Sprechers der Schwestern, nicht vor."
Auer äußerte zudem Unverständnis über das Vorgehen: "Wir waren kurz vor Abschluss der Vereinbarung über den positiven Verbleib der Schwestern im Schloss Goldenstein, alles war abgesprochen und klar." Man hoffe, dass die Schwestern "gut und gesund" zurückkehren. Wie es dann weitergehe, sei "nach dieser chaotischen Aktion" völlig offen. Auer weiter: "Es wird immer offensichtlicher, dass es einigen Personen nicht um das Wohl der Schwestern geht, sondern andere Interessen in den Vordergrund stellen." Dem Augenschein nach sind die Schwestern wohlauf: So postete der Vatikan-Journalist Andreas Englisch, der die Romreise der Schwestern mitorganisiert und sie in seinem Podcast "Vatikangeflüster" angekündigt hatte, in Sozialen Medien ein Foto der betagten Ordensfrauen.
Das Schicksal der Goldenstein-Nonnen, die alle über 80 Jahre alt sind, hatte in den vergangenen Monaten international für Schlagzeilen gesorgt. Ihren Fall verfolgten auch tausende Interessierte auf Instagram. Anfang September waren sie gegen den Willen Grasls aus einem Seniorenheim in ihr früheres Kloster zurückgekehrt. Das Gebäude gehört seit 2022 dem Erzbistum Salzburg und dem Stift Reichersberg. Die Schwestern geben an, ihnen sei ursprünglich ein lebenslanger Verbleib zugesagt worden; nach Krankenhausaufenthalten mussten sie Ende 2023 dennoch in ein Heim übersiedeln. (KNA)