Carina Adams über das Sonntagsevangelium

Ich bin der Weg und die Wahrheit und das Leben

Veröffentlicht am 02.05.2026 um 09:30 Uhr – Lesedauer: 
Ausgelegt!

Bonn ‐ Die Jünger fordern im heutigen Sonntagsevangelium klare Antworten von Jesus. Carina Adams amüsiert es, dass seine Antworten beinahe verzweifelt klingen. Ist es wirklich so einfach?

  • Teilen:

HTML-Elemente (z.B. Videos) sind ausgeblendet. Zum Einblenden der Elemente aktivieren Sie hier die entsprechenden Cookies.

Jeder von uns kennt Jesus dargestellt am Kreuz. Er ist gestorben und auferstanden. Für seine Jünger ist das im heutigen Evangelium noch absolut absurd. Sie haben keine Ahnung, was auf sie zukommt.

Mit verschiedenen Reden bereitet Jesus sie auf seinen Tod vor. Bei der heutigen Bibelstelle wählt er tröstliche Worte und verspricht ihnen: "Und wohin ich gehe – den Weg dorthin kennt ihr."

Und von da aus entwickelt sich ein fast komischer Dialog zwischen Jesus und seinen Jüngern. Denn die sind hartnäckig und stellen Rückfragen. Sie interessieren sich nicht für Vertröstungen und Metaphern.

Thomas will eine konkrete Wegbeschreibung. "Ich bin der Weg!", versucht Jesus deutlich zu machen und sagt: "Wenn ihr mich erkannt habt, werdet ihr auch meinen Vater erkennen. Schon jetzt kennt ihr ihn und habt ihn gesehen." Ein hoffnungsvoller Satz. Oder verwirrend?

Philippus sieht das wohl so. Er will einfach Gott sehen. Hier und jetzt und einfach und klar und direkt. Nicht immer alles so kompliziert bitte!

Jesus scheint hier sagen zu wollen: Es ist doch ganz einfach, Philippus! Er formuliert um: "Wer mich gesehen hat, hat den Vater gesehen." Es wirkt auf mich fast lustig verzweifelt, wenn er ihnen sagt: "Glaubt mir doch".

"Mach es doch nicht so kompliziert!"

Dieser Austausch amüsiert mich immer wieder. Denn die Jünger sind so herrlich menschlich und logisch und klug. "Mach es doch nicht so kompliziert, Jesus!", fordern sie. Gib uns doch einfach eine Wegbeschreibung, dann kommen wir schon mit. Zeig uns doch einfach Gott, dann verstehen wir das schon alles.

Einen Drang, den ich in meinem Alltag gut nachvollziehen kann. Was willst Du denn jetzt von mir, Gott? Wo muss ich lang? Was soll ich tun? Sag doch mal, einfach direkt und klar!

Und dann stehe ich nach jahrelangem Theologiestudium wieder vor der Bibel und Jesus scheint mir zuzurufen: Es ist doch ganz einfach!

Ich bin der Weg und die Wahrheit und das Leben.

Die Jünger kennen Jesus. Hier noch nicht als den Gekreuzigten. Aber sie kennen einen Teil von ihm: Er hat Kranke geheilt, mit Sündern gegessen, gebetet, geliebt und die frohe Botschaft für die Armen verkündet.

Und das sind für sie nicht ein paar Buchseiten, die man aufgedröselt übers Jahr hinweg mal in der Kirche hört. Das ist ihr Alltag. Das machen sie den ganzen Tag lang. Das lebt Jesus ihnen in jeder Minute vor.

Jesus nachzufolgen ist schwer. Nicht, weil es kompliziert ist. Nicht, weil er doch einfach mal klarer sagen müsste, was Sache ist. Nicht, weil wir den Weg nicht kennen. Sondern weil es so unbequem ist. 

Ich bin der Weg und die Wahrheit und das Leben. Wer mich gesehen hat, hat den Vater gesehen.

So einfach.

Aus dem Evangelium nach Johannes (Joh 14,1–12)

In jener Zeit sprach Jesus zu seinen Jüngern: Euer Herz lasse sich nicht verwirren. Glaubt an Gott und glaubt an mich! Im Haus meines Vaters gibt es viele Wohnungen. Wenn es nicht so wäre, hätte ich euch dann gesagt: Ich gehe, um einen Platz für euch vorzubereiten?

Wenn ich gegangen bin und einen Platz für euch vorbereitet habe, komme ich wieder und werde euch zu mir holen, damit auch ihr dort seid, wo ich bin. Und wohin ich gehe – den Weg dorthin kennt ihr. 

Thomas sagte zu ihm: Herr, wir wissen nicht, wohin du gehst. Wie können wir dann den Weg kennen? Jesus sagte zu ihm: Ich bin der Weg und die Wahrheit und das Leben; niemand kommt zum Vater außer durch mich. Wenn ihr mich erkannt habt, werdet ihr auch meinen Vater erkennen. Schon jetzt kennt ihr ihn und habt ihn gesehen. 

Philíppus sagte zu ihm: Herr, zeig uns den Vater; das genügt uns. Jesus sagte zu ihm: Schon so lange bin ich bei euch und du hast mich nicht erkannt, Philíppus? Wer mich gesehen hat, hat den Vater gesehen. Wie kannst du sagen: Zeig uns den Vater? Glaubst du nicht, dass ich im Vater bin und dass der Vater in mir ist? Die Worte, die ich zu euch sage, habe ich nicht aus mir selbst. Der Vater, der in mir bleibt, vollbringt seine Werke.

Glaubt mir doch, dass ich im Vater bin und dass der Vater in mir ist; wenn nicht, dann glaubt aufgrund eben dieser Werke! Amen, amen, ich sage euch: Wer an mich glaubt, wird die Werke, die ich vollbringe, auch vollbringen und er wird noch größere als diese vollbringen, denn ich gehe zum Vater.

Die Autorin

Carina Adams ist studierte Theologin und Redakteurin bei katholisch.de.

Ausgelegt!

Als Vorbereitung auf die Sonntagsmesse oder als anschließender Impuls: Unser Format "Ausgelegt!" versorgt Sie mit dem jeweiligen Evangelium und Denkanstößen von ausgewählten Theologen.