Papst Leo XIV. befasst sich seit langem mit Krise der Kirche
Schon lange vor seiner Karriere als Bischof, Kardinal und Papst Leo XIV. hat der damalige Ordensmann Robert Prevost sich mit der Krise der katholischen Kirche seit den 1960er-Jahren befasst. Dies geht aus etwa 20 Jahre alten Ansprachen hervor, die ein am Montag erschienenes Buch im Wortlaut dokumentiert.
Darin benennt er das Zweite Vatikanische Konzil (1962–1965) als eine entscheidende Etappe. So sagte der damalige Augustiner-Obere Prevost am 26. September 2003 bei einem Treffen mit Mitgliedern seines Ordens aus mehreren Ländern Europas: "Die katholische Kirche und das Ordensleben haben nach dem Zweiten Vatikanischen Konzil eine Phase tiefgreifender Veränderungen durchlaufen."
"Schmerzhafte Jahre"
Diese Veränderungen beschrieb er so: "Sehr viele unserer Mitbrüder haben ein Gefühl des Verlusts der eigenen Identität erfahren. Sie wussten nicht mehr, wer sie sind." Drastisch schilderte der heutige Papst damals die Folgen: "Viele haben Orden und Priesteramt verlassen. Andere fühlten sich zutiefst desorientiert. Für manche waren es schmerzhafte Jahre."
Doch dann sei, dank der Bemühung um Erneuerung, "ein großer Teil dieser Krise überwunden worden". Dennoch fühlten sich manche, vor allem in Europa, angesichts sinkender Mitgliederzahlen, weiterhin in dieser Identitätskrise.
Rückbesinnung auf Wesentliches
Für die Zukunft seines Ordens und der Kirche in Europa rief Prevost damals zu einer Rückbesinnung auf das Wesentliche auf. Dazu gehörten auch "Momente der Einsamkeit, des Gebets, des Schweigens und des Studierens". Er sagte: "Wir werden (wieder) in eine Identitätskrise kommen, wenn wir nicht wissen, wer wir sind, und wenn wir nicht jene innere Begegnung mit uns selbst und mit Gott erleben."
Insgesamt zeigte sich der spätere Papst damals eher hoffnungsvoll und sagte: "Wir sollten die Zukunft unseres Ordens und die Situation Europas nicht mit Pessimismus erleben. Es gibt so viele Menschen, die dasselbe suchen wie wir: eine Begegnung mit Gott und einen Sinn für das eigene Leben im Dienst an den anderen." (KNA)
Das Buch
Robert Francis Prevost: Liberi sotto la grazia. Libreria Editrice Vaticana. 546 Seiten, Preis 26 Euro.
