Buch zeigt: Papst Leo XIV. früh von Befreiungstheologie geprägt
Der heutige Papst Leo XIV. war in seinem Denken offenbar einst stark geprägt von Ideen und Begriffen der lateinamerikanischen Befreiungstheologie. Das geht aus älteren Ansprachen hervor, die nun in einem am Montag erschienenen Buch veröffentlicht wurden.
Darin wird unter anderem eine Rede dokumentiert, die der damalige Generalprior des Augustiner-Ordens, Robert Prevost, am 2. März 2002 in der peruanischen Amazonas-Stadt Iquitos hielt. Damals sagte Prevost: "Die Realität der ungerechten Armut und der Marginalisierung ist eines der drängendsten Probleme der heutigen Welt, und das nicht nur in der 'Dritten Welt'." Weiter sagte er: "Niemand kann heute Christ sein und sich vom 'Schrei der Armen' und dem Kampf für Gerechtigkeit entziehen. Die Verelendung von Millionen von Menschen ist ein wahres 'Sakrament' der Sünde in der Welt".
Option für die Armen
An anderer Stelle seiner Rede heißt es: "Die Entwicklung ist ein integraler Bestandteil der Evangelisierung, die Tätigkeit der Seelsorge überschreite die Grenzen dessen, was bloß 'religiös' ist, in Übereinstimmung mit der Soziallehre der Kirche und der Dringlichkeit der besonderen Option für die Armen. Diese muss nicht nur bei den Indigenen zum Zug kommen, die oft die Ärmsten der Armen sind (...), sondern auch angesichts jeder Form von Ausgrenzung, die gegen die Menschenwürde geht."
Die Befreiungstheologie ist eine theologische Strömung, die im letzten Drittel des 20. Jahrhunderts vor allem in Lateinamerika entstand. Sie fordert einen aktiven Einsatz der Kirche für die Überwindung von Armut und Ungerechtigkeit. Im Vatikan wandte sich der damalige Glaubenspräfekt Joseph Ratzinger, der spätere Papst Benedikt XVI., in den 1980er-Jahren gegen einige aus seiner Sicht marxistisch geprägte Forderungen der Befreiungstheologie. (KNA)
Das Buch
Robert Francis Prevost: Liberi sotto la grazia. Libreria Editrice Vaticana. 560 Seiten, Preis 26 Euro.
