Fall in Spanien

Mieterverband bezeichnet Franziskanerorden als "Miet-Hai"

Veröffentlicht am 10.05.2026 um 15:20 Uhr – Lesedauer: 

Madrid ‐ Ausgerechnet der Franziskanerorden, der für Nächstenliebe und Barmherzigkeit steht, soll sich auf Kosten armer Mieter bereichern. In Spanien sorgt der Fall eines Rentners gerade für eine aufgeheizte Debatte.

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Nach mehreren Zwangsräumungen in Madrid hat ein spanischer Mieterverband dem Franziskanerorden Profitgier und Immobilienspekulation vorgeworfen. Das Mieterkollektiv Sindicato de Inquilinos bezeichnete den Orden als "Miet-Hai" und protestiert gegen die Kündigung von Bewohnern aus Gebäuden in franziskanischem Besitz.

Vor wenigen Tagen hatte das Kollektiv erfolglos die Zwangsräumung eines Rentners zu verhindern versucht. Es kam zu Protesten. Aktivisten hielten bereits in der Nacht vor der Zwangsräumung Mahnwachen. Am nächsten Morgen musste die Polizei einschreiten, um den Rentner aus der Wohnung zu holen, der nun obdachlos sein soll.

"Opfer der Kirche"

Laut dem Mieterverband ist der 67-Jährige, der seine im vergangenen Jahr stark angehobene Miete nicht mehr bezahlen konnte, bereits das 40. "Opfer der Kirche". Der Fall geht derzeit in sozialen Netzwerken und in den Medien viral. Der Rentner wird zum Symbol für die allgemeine Wohnungs- und Verdrängungskrise.

Ferienwohnungen, fehlende Sozialwohnungen, Immobilienspekulation: Der Wohnungsmarkt in Spanien ist seit Jahren angespannt. Mieten und Kaufpreise sind in den letzten Jahren extrem gestiegen, während bezahlbarer Wohnraum knapp geworden ist. Die Regierung in Madrid sah sich bereits zu Mietpreisbremsen genötigt. Der Fall des Rentners sorgt dabei für besonderen Aufruhr, da der an der Armutsgrenze lebende Mann von einer religiösen Gemeinschaft aus der Wohnung entfernt wurde.

Schwere Vorwürfe gegen den Orden

Laut der Mietergewerkschaft besitzt der "Dritte Orden des Heiligen Franziskus" im Zentrum Madrids mehr als einhundert Wohnungen. Die Ordensgemeinschaft soll renovierungsbedürftige Wohnungen zu günstigen Mieten vermieten und die Mieter im Gegenzug verpflichten, sich an der Renovierung zu beteiligen. Danach, so der Vorwurf, würden die Mieten so stark angehoben, dass die meisten sie nicht mehr zahlen könnten und die renovierten Wohnungen verlassen müssten. Der Orden agiere mit Profitgier wie ein Miet-Hai und spekuliere auf Kosten armer Menschen, so Carolina Vilariño, Sprecherin der Mietergewerkschaft.

Die Ordensgemeinschaft verteidigt ihr Vorgehen. In Stellungnahmen gegenüber spanischen Medien erklärte sie, der Rentner habe über längere Zeit Mietschulden aufgebaut, nachdem er während der Pandemie seine Arbeit verlor. Er habe keine ausreichende Bereitschaft gezeigt, die Schulden zu begleichen. Zudem sei die Zwangsräumung notwendig gewesen, weil das gesamte Gebäude saniert werden müsse. Zeitungsberichten zufolge bot der Orden dem Rentner einen Tilgungsplan an. Der Rentner und das Mieterkollektiv bezeichneten das Angebot jedoch als finanziell unrealistisch. (KNA)