Katholikentag und Evangelischer Kirchentag – in Zukunft nur ökumenisch
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Morgen beginnt der Katholikentag in Würzburg, in einem Jahr der Evangelische Kirchentag in Düsseldorf. Wie immer: schön abwechselnd. Beide Traditionsveranstaltungen werden vor allem von Gläubigen der jeweiligen Konfession besucht. Die Schnittmengen zwischen beiden Veranstaltungen sind aber groß – bei den Teilnehmenden wie bei den Helfenden: Ob da eine katholische Pfadfinderin oder ein evangelischer die (immer selteneren) "Halle-überfüllt"-Schilder hochhebt, ist egal. Was zählt, ist das Engagement. Viele Menschen pilgern Jahr für Jahr zu der einen wie der anderen Großveranstaltung.
Katholikentage wie Kirchentage wurden in den vergangenen Jahren kleiner. Erfolgsveranstaltungen bleiben sie, und sie sind wichtige Leuchttürme für gesellschaftliches und politisches Engagement aus christlicher Verantwortung. Genauso sind sie durch ihre Gottesdienste, Bibelarbeiten und Gesänge in Straßenbahnen und Bussen spirituelle Wegzehrung für all die Ehrenamtlichen, die unter dem Jahr die Gemeinden am Laufen halten.
Es stellt sich aber wie bei vielen Traditionsgütern in den Kirchen die Frage: Wie lange noch? Wie lange noch können derartig ressourcenintensive und aufwendige Veranstaltungen nach dem hergebrachten konfessionellen Paradigma aufrecht erhalten werden? Noch tragen die Strukturen, auch wenn sie von innen durch wegbrechende Mitgliederzahlen und von außen durch eine kritische und zunehmend sparsame säkulare Öffentlichkeit unter Druck stehen.
Noch leisten sich beide Träger – die evangelischen und katholischen Organisationen – den Luxus, die konfessionell hergebrachten Strukturen fortzuschreiben. Ökumenische Kirchentage blieben Ausnahme: 2003, 2010, 2021 – immer länger wurden die Abstände.
Angesichts einer Gesellschaft, in der weniger als die Hälfte der Menschen zu einer der christlichen Kirchen gehört, und in der es absehbar noch weniger wird, müssen Menschen, denen an der christlichen Stimme in der Welt gelegen ist, alles Konfessionelle auf den Prüfstand stellen: Ist hier das Katholische und das Evangelische wirklich unterscheidend anders, oder ist die konfessionelle Trennung Selbstzweck und leere Tradition? Geht es nicht gemeinsam, ökumenisch? Wenn Katholikentage und Kirchentage langfristig an ihrer Zukunft gelegen ist, dann braucht es Ökumenische Kirchentage.
Der Autor
Felix Neumann ist Redakteur bei katholisch.de und stellvertretender Vorsitzender der Gesellschaft Katholischer Publizistinnen und Publizisten (GKP).
Hinweis
Der Standpunkt spiegelt ausschließlich die Meinung der Autorin bzw. des Autors wider.
