Gestohlene Schädelreliquie muss aus Betonblock befreit werden
Nach dem spektakulären Diebstahl einer Schädelreliquie der heiligen Zdislava von Lämberg (ca. 1220-1252) haben tschechische Experten den von der Polizei sichergestellten Schädel aus dem Betonblock befreit, in den sie der mutmaßliche Täter eingegossen hat. Restauratoren hätten das wertvolle Stück mechanisch freigelegt, da chemische Verfahren die historische Substanz zerstört hätten, heißt es in Medienberichten vom Wochenende.
Die Nachricht von der erfolgreichen Rettung wurde von Gläubigen als "Wunder" bezeichnet. Die Reliquie soll nun restauriert werden. Die Kirche kündigte zudem deutlich strengere Sicherheitsmaßnahmen an. Sollte die Reliquie künftig erneut öffentlich ausgestellt werden, dann nur hinter Panzerglas und mit elektronischer Sicherung.
Geplante Versenkung im Fluss
Ein 35-jähriger Mann hatte die Reliquie am 12. Mai in der Basilika im nordtschechischen Jablonne v Podjestedi gestohlen. Während der Vorbereitung eines Abendgottesdienstes schlug er die Schutzgläser des Reliquiars ein und flüchtete mit dem Schädel der mittelalterlichen Heiligen. Wenige Tage später wurde der Mann gefasst. Ihm drohen bis zu acht Jahre Haft.
Laut Angaben der Polizei gestand er, die Reliquie in Beton eingegossen zu haben, um sie anschließend in einem Fluss zu versenken. Der Mann erklärte den Ermittlern, er habe nicht aus finanziellen Motiven gehandelt. Vielmehr habe er gegen die Ausstellung der Gebeine protestieren wollen.
Kirchenvertreter widersprachen jedoch der Darstellung eines "edlen Motivs" und verwiesen auf die jahrhundertealte christliche Tradition der Verehrung von Reliquien. Der Prager Erzbischof Stanislav Pribyl hatte zuvor den Diebstahl als "verheerend" bezeichnet. "Ich kann nicht fassen, dass jemand am helllichten Tag einen Raub begeht, um aus einer Kirche eine Reliquie zu stehlen, deren Wert vor allem historischer Art ist." (KNA)
