Kirche und Gesellschaft haben sich verändert

Jubelkommunion: So erinnern sich Senioren an das Sakrament

Veröffentlicht am 04.06.2026 um 00:01 Uhr – Von Jennifer Brodt – Lesedauer: 

Bonn ‐ Wie ist es, die Eucharistie seit mehr als 80 Jahren zu empfangen? Was hat sich am Erstkommunionsfest verändert? Katholisch.de war mit Menschen im Gespräch, die ihre Jubelkommunion gefeiert haben.

  • Teilen:

Als ein Mädchen im weißen Kleid auf die Frage hin, was denn Jesus den ganzen Tag im Tabernakel machen würde, leise "Karten spielen" antwortet, raunt auch bei den Älteren ein kleines Lachen durch die Reihen. Sie haben die Katechese schon lange hinter sich: Vor vielen Jahrzehnten sind sie zur Kommunion gegangen und feiern jetzt mit den vier Kommunionkindern der Gegenwart ihre Jubelkommunion – nach manchmal 70 oder 80 Jahren. Ein Anlass für viele Erinnerungen.

Eine Dame feiert 80-jähriges Jubiläum und erinnert sich an die Kirche in schwierigen Zeiten: "Das war damals direkt nach dem Krieg und die kleine Gemeinde war ein wirkliches Sammelbecken für alle, die in die Stadt zurückkamen". Altbonnerin Ingeborg Schaefer empfing den Leib Christi zum ersten Mal vor 86 Jahren, "in den dunklen Kriegstagen", wie es im Schreiben zur Beglückwünschung des Bonner Münsters heißt. "Bei den 86 Jahren hätten wir uns alle verschätzt", findet nicht nur Vorsitzende des Pfarrgemeinderats Monika Rosen, während sie die junggebliebene Mitte 90-jährige Schaefer zum ersten Mal anschaut.

Damals bei ihrer Erstkommunion hieß Ingeborg noch Carthaus mit Nachnamen. Für sie fühle es sich "eigenartig" an, so lange schon die Kommunion zu empfangen: "Es kommt mir gar nicht so lange vor". Sie erzählt von ihrem Kommunionunterricht: "Wir mussten unheimlich viel aus dem Katechismus auswendig lernen. Wir wurden damals auch hier in diesem Saal unterrichtet. Der Raum war aber viel einfacher gehalten." Sie schaut in den hellen, modern gestalteten Saal: "Wir waren damals aber eine größere Gruppe an Kommunionskindern als heute, bestimmt so um die 20." Bis zum Kriegsbeginn ging sie immer sonntags um 11 Uhr zur Messe im Bonner Münster, in der Hoffnung, Freunde zu treffen. Im Vergleich zu früher seien die Predigten in den Messen aber "nicht mehr so lang". Heutzutage ist ihr Bekanntenkreis aus den vergangenen Tagen kleiner, da einige bereits verstorben sind.

Ingeborg Schaefer empfängt seit 86 die Kommunion
Bild: ©katholisch.de/jbr

Ingeborg Schaefer empfängt seit 86 Jahren die Kommunion. Sie erinnert sich an ihre Erstkommunion im Bonner Münster.

Auch Elisabeth Winkler fragt sich: "Wo sind die ganzen Kommunionskinder?" Bei ihrer Erstkommunion sei es 1950 ebenfalls eine viel größere Gruppe and Jungen und Mädchen gewesen. Elisabeth Winkler sitzt vertraut neben ihrem Ehemann Claus Winkler (Titelbild). Vor Ihnen hat sie ein weißes Tuch ausgebreitet, worauf ein Kreuz mit Jesus-Figur liegt. Daneben ein schwarz-weißes Bild von ihr, wie sie auf dem Münsterplatz vor dem Beethovendenkmal das Kreuz als Kommunionskind in den Händen hält. "Ich war ja auch ein Kriegskind", erzählt Elisabeth Winkler, ihre Erstkommunion war in den Nachkriegstagen. Sie habe "wahnsinnig gefroren". Elisabeth Winkler zeigt auf das Bild: Ihren Mantel – passend zum Kleid – musste sie vor dem Gottesdienst ausziehen.  Geschenkt bekommen habe sie neben dem gesegneten Kreuz "einen Kleiderstoff, ein Silberarmbändchen und natürlich die Hortensie." Die Blume steht symbolisch als Zeichen der Verbundenheit mit Christus.

Das Kreuz, das Elisabeth Winkler zu ihrer Erstkommunion erhielt und ein Bild von ihr als Kommunionskind.
Bild: ©katholisch.de/jbr

1950 erhielt Elisabeth Winkler ein gesegnetes Kreuz zu ihrer Erstkommunion. Daneben ist ein Bild von ihr als Kommunionkind auf dem Bonner Münsterplatz.

Ihr Mann, der die Erstkommunion im Schwarzwald empfing, hört Elisabeth Winkler aufmerksam zu. Die Beiden lernten sich 1968 Im Hotel Königshof kennen "und dann bin ich geblieben", erzählt ihr Mann freudig. Damals heirateten sie recht schnell, aus Angst vor den Folgen des Kuppeleiparagrafen, der das außereheliche Zusammenleben bis 1969 rechtlich bestrafte. Claus Winkler erklärt: "Uns hätte ja nur die Nachbarin gemeinsam ins Haus gehen sehen müssen und dann hätte das schlecht enden können. Heutzutage ist das ja zum Glück anders."

Dennoch ist sich das Ehepaar einig: "Es ist uns wichtig, in die katholische Messe zu gehen. Unsere Tochter zum Beispiel wohnt in Berlin, da fällt es nicht immer leicht, eine Messe zu finden, die man besuchen kann." Besonders das Bonner Münster sei für Elisabeth Winkler "wie eine Heimat". Zwar wohne sie mit ihrem Mann in der Vorstadt, doch wenn sie im Zentrum sei, dann "zieht es mich immer hier her, denn hier empfing ich nicht nur meine Erstkommunion, sondern auch meine Firmung".

In ihren Augen habe sich der Gottesdienst im Vergleich zu früher sehr verändert, heutzutage sei er in manchen Gemeinden viel nüchterner geworden: "Wenn es mit Herz ist, dann ist das nach meinem Wunsch". Gemeinsam mit Claus Winkler freue sie sich nun besonders auf ihre anstehenden Diamantenhochzeit – sie wünschen sich, einen Segen im Bonner Münster zu erhalten. Die Erinnerungen prägen die Jubelkommunikanten und sie tauschen sich mit der jüngeren Generation aus. Die Kommunion verbindet sie alle – jeden Sonntag aufs Neue.

Von Jennifer Brodt