Fronleichnam: Wie erklärt man ein Fest mit Baldachin und Monstranz?
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"Mama, feiern wir bald wieder was mit Jesus?" Die Frage meiner Tochter kommt während eines Spaziergangs, als wir an der geschmückten Kirche vorbeigehen. "Ja", sage ich. "Fronleichnam." Sie schaut mich an, als hätte ich gerade ein Wort aus einer anderen Sprache benutzt. Was ja nicht ganz falsch ist.
"Ist das Jesu Geburtstag?" "Nein." "Sein Tod?" "Auch nicht." "Ostern?" "Nein." Kurze Pause. Dann die entscheidende Frage: "Was feiern wir denn dann?" Gute Frage.
"Leichnam – ist das nicht, wenn jemand tot ist?"
Fronleichnam ist eines dieser Wörter, bei denen man schon als Erwachsener kurz innerlich stolpert. Für Kinder erst recht. Meine Tochter bleibt an der zweiten Hälfte hängen. "Leichnam?", fragt sie und betont jede einzelne Silbe. "Ist das nicht, wenn jemand tot ist?" Da sind wir also. Sonntagnachmittag, irgendwo zwischen Mittagessen und Kaffeezeit, und ich erkläre ein Hochfest, dessen Name klingt, als müsste man Kinder besser vorher warnen.
Dabei bedeutet Fronleichnam gerade nicht, was moderne Ohren zuerst hören. "Fron" kommt von "Herr", "Leichnam" meint schlicht den Leib, also den Körper. Es geht also um den Leib des Herrn. Genauer: um das katholische Hochfest des Leibes und Blutes Christi. Ich sage das natürlich nicht so zu meinem Kind. Zumindest nicht direkt. Denn spätestens bei "Hochfest des Leibes und Blutes Christi" würde sie vermutlich fragen, ob wir jetzt doch über Halloween sprechen. Also versuche ich es anders.
"Du weißt doch, dass wir in der Messe glauben, dass Jesus im Brot ganz nah bei uns ist?" Sie nickt langsam. Nicht überzeugt, aber gesprächsbereit. "An Fronleichnam bleibt Jesus nicht nur in der Kirche. Die Menschen tragen ihn nach draußen. Durch die Straßen." "Also geht Jesus spazieren? Wie wir gerade." Ich atme ein. Theologisch müsste man jetzt wahrscheinlich einiges präzisieren. Pädagogisch ist es gar nicht so schlecht. "So ähnlich", sage ich.
Warum Jesus unter einem Himmel läuft
Bei der Prozession trägt der Priester die Hostie in einer Monstranz. Einem goldenen Gefäß, das so aussieht, als hätte jemand versucht, die Sonne festzuhalten. Darüber wird oft ein Baldachin getragen, der "Himmel" heißt. Das gefällt meiner Tochter sofort.
"Jesus braucht einen Sonnenschirm?" "Eher einen besonderen Platz." "Und wenn es regnet, wird der Sonnenschirm zum Regenschirm", lacht sie vor Freude. Ich erkläre ihr, dass Fronleichnam ein Fest des Zeigens ist. Was sonst in der Kirche geschieht, wird nach draußen getragen. Auf Straßen, Plätze, zwischen Häuser, Vorgärten, parkende Autos und Menschen, die vielleicht nur zufällig vorbeikommen. Der Glaube soll nicht drinnen bleiben. Nicht eingeschlossen zwischen Kirchenbänken, Weihrauch und Liedanzeigern. Er soll raus. Sichtbar werden.
Die Mitglieder der spanischsprachigen Gemeinde in Hanau bereiten zusammen mit der Pfarrei einen Teppich für den Fronleichnamszug vor.
Was mich selbst an Fronleichnam überrascht hat: Dieses Fest geht auf eine Frau zurück. Auf Juliana von Lüttich. Sie soll im Jahr 1209 eine Vision gehabt haben: den Mond, hell und rund – aber mit einer dunklen Stelle. Diese dunkle Stelle deutete sie als Zeichen dafür, dass im Kirchenjahr etwas fehlte: ein eigenes Fest für die Eucharistie.
Ich mag diesen Gedanken. Eine Person schaut hin und merkt: Da fehlt etwas. Und sie lässt nicht locker. Später wurde Fronleichnam tatsächlich eingeführt. Papst Urban IV. machte das Fest 1264 zum Fest der ganzen Kirche. Eine Frau aus Lüttich hatte also eine Lücke gesehen, die andere offenbar übersehen hatten – und aus dieser Lücke wurde ein Hochfest. Ich erzähle meiner Tochter davon. "Also hat eine Frau gesagt, dass ein Fest fehlt?" "Ja." "Und dann haben alle auf sie gehört?" Ich zögere kurz. "Nicht sofort." Sie nickt. Das kennt sie offenbar. Von Aufräumhinweisen, Jackenempfehlungen und meiner Bitte, nicht mit Stiften an die Wand zu malen.
Blumenteppiche, die nicht bleiben sollen
Am meisten beschäftigt sie etwas anderes: die Blumenteppiche. Ich zeige ihr Bilder. Bunte Muster aus Blüten, gelegt auf den Boden. Herzen, Kreuze, Kelche. Sehr viele Blütenblätter. "Aber dann gehen die kaputt." Sie hat recht. Stundenlang werden Blütenblätter gelegt, Muster gesetzt, Farben abgestimmt. Dann geht die Prozession vorbei und nach ein paar Minuten sieht alles anders aus. Meine Tochter schaut noch einmal auf die Bilder. "Die haben aber viele Blumen gebraucht." Ja, haben sie. Manchmal ist ein Fest offenbar auch dann schön, wenn es nicht lange hält.
In ein paar Tagen werden wir bei der Prozession stehen. Meine Tochter wird wahrscheinlich zuerst schauen, ob andere Kinder da sind. Dann, ob es irgendwo etwas zu essen gibt. Dann vielleicht auf die Monstranz. Vielleicht auch nicht. Wenn der Priester unter dem Himmel vorbeigeht, wird sie hoffentlich wissen: Das ist kein Geburtstag. Kein Beerdigungstag. Kein verspätetes Ostern. Es ist der Tag, an dem Jesus nach draußen getragen wird. Vielleicht reicht das fürs Erste.
Fronleichnam für Kinder erklärt
Das Fest "Fronleichnam" feiern die Katholiken schon seit vielen Jahrhunderten. Damals haben die Menschen hier in Deutschland "Mittelhochdeutsch" gesprochen. Aus dieser Sprache kommt das Wort "Fronleichnam". Es besteht aus zwei Teilen: "Vron" bedeutete damals "Herr" und "Lichnam" "Leib", also Körper. "Fronleichnam" bedeutet dann also so viel wie "Das Fest des Leibes Christi".
