Pastor Christian Olding über das Sonntagsevangelium

Zeig mir deinen Gott

Veröffentlicht am 30.05.2026 um 09:30 Uhr – Lesedauer: 
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Geldern ‐ In der heutigen Zeit ist es den Leuten egal, an was andere glauben, solange sie in Ruhe gelassen werden. Pastor Christian Olding hält dagegen: Wenn es um Gott geht, sollte nicht egal sein, wie wir von ihm reden.

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Enteignungen, Verbannungen, Prügeleien, Exkommunikationen und noch Schlimmeres waren die Begleitumstände des Glaubenskampfes, der im 4. und 5. Jahrhundert um die Dreifaltigkeitslehre tobte. Demgegenüber scheint heute alles entspannter. Glaub doch, was du willst. Hauptsache, man lässt sich in Ruhe. Und eigentlich ist es eh so: "Am Ende glauben doch alle an denselben Gott". Klingt tolerant ist aber oft bequem. So wie: "Wir essen alle gern Kuchen". Als wäre es egal, ob Obstkuchen oder Sahnetorte auf dem Tisch steht. Doch beim DFB-Pokalfinale gilt ja auch nicht die Aussage, wir mögen alle Fußball und ob nun Bayern München oder Borussia Dortmund gewinnt, das ist doch am Ende völlig egal. Ich möchte die Bayern sehen, die Dortmund zujubeln, weil wir doch alle Fußball mögen.

Wenn es um Gott geht, ist es nicht egal, wie wir von ihm reden. Denn jedes Gottesbild zieht Folgen nach sich. Wer Gott für fern hält, lebt anders als jemand, der Gott als nah erlebt. Deshalb ist es nicht von ungefähr, zu fragen, wie denn dieser Gott ist, an den wir glauben und was daraus für mein alltägliches Leben folgt. Als Christ glaube ich an den Dreifaltigen Gott, an den Vater und den Sohn und den Heiligen Geist. Das ist eine Geschichte von Beziehung. Gott bleibt nicht auf Distanz. In den heutigen Sonntagstexten wird Gott vor allem als der mitleidende, mitfühlende, barmherzige Gott geschildert, dem nichts so am Herzen liegt wie das Wohl der von ihm geschaffenen Menschen: "Gott hat die Welt so sehr geliebt, dass er seinen einzigen Sohn hingab, damit jeder, der an ihn glaubt, nicht verloren geht, sondern ewiges Leben hat."

Das bedeutet: Die Wahrheit über Gott ist im Kern nicht einfach eine Idee, die man verteidigt, sondern ein Leben, das man anschauen kann. Jesus hat nicht nur eine Lehre über Gott verkündet er hat gelebt, was er gesagt hat. Das macht ihn glaubwürdig.

Wenn einer verlangt 'Zeig mir deinen Gott!', dann müsste ich antworten: Sieh unser Leben an, wie wir uns um Menschen mühen, wie wir mit Konflikten umgehen, mit eigener und fremder Schuld, wie wir nicht ruhen angesichts der Ungerechtigkeit in der Welt, wie wir Frieden zu stiften versuchen. Dann weißt du, wie unser Gott ist. Schau, wie wir darauf vertrauen, dass wir gehalten und getragen werden, dass wir vor Gott wertvolle Menschen sind.

Und vielleicht könnten wir zuletzt auch noch sagen: Sieh, wie wir unsere Begabungen einsetzen, damit andere etwas von uns haben und wie wir uns um ein Klima der Herzlichkeit bemühen, in dem man aufatmen und leben kann.

Dieser Gott ist in der Welt gegenwärtig. Er bewegt Menschen auch heute. Also: Erklärst du noch, oder lebst du es schon?

Aus dem Evangelium nach Johannes (Joh 3, 16-18

Gott hat die Welt so sehr geliebt, dass er seinen einzigen Sohn hingab, damit jeder, der an ihn glaubt, nicht verloren geht, sondern ewiges Leben hat.

Denn Gott hat seinen Sohn nicht in die Welt gesandt, damit er die Welt richtet, sondern damit die Welt durch ihn gerettet wird.

Wer an ihn glaubt, wird nicht gerichtet; wer nicht glaubt, ist schon gerichtet, weil er nicht an den Namen des einzigen Sohnes Gottes geglaubt hat.

Der Autor

Christian Olding ist Pastor in der Pfarrei St. Maria Magdalena in Geldern.

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