Den Anstoß gab der Papst – Ethische KI aus Deutschland gefordert
Nach dem Papst-Lehrschreiben zu Künstlicher Intelligenz gibt es Forderungen nach einer ethischen KI made in Germany. "Wenn wir wollen, dass Technologie dem Menschen dient, dann müssen wir sie selbst gestalten. Nicht nur regulieren. Sondern entwickeln, prägen und verantworten", sagte Digitalminister Karsten Wildberger (CDU) der "Rheinischen Post". "Ethische KI aus Deutschland und Europa ist deshalb eine Voraussetzung für demokratische Selbstbestimmung im digitalen Zeitalter."
Bitkom-Präsident Ralf Wintergerst sagte der Zeitung: "Künstliche Intelligenz muss dem Menschen dienen und damit auch dem Gemeinwohl." Die Technologie könne in vielen Bereichen bereits heute Nutzen stiften, etwa bei der früheren Erkennung von Krankheiten. Wo Grundrechte, Sicherheit oder Menschenwürde berührt sind, müssten jedoch klare Grenzen gezogen werden. "Gerade deshalb müssen wir in Deutschland und Europa eine pragmatische KI-Entwicklung ermöglichen: Nur wenn gute KI-Anwendungen hier entstehen, trainiert und eingesetzt werden, können wir sie nach unseren Werten gestalten und für das Gemeinwohl nutzbar machen", sagte Wintergerst.
"Well done, Papst Leo"
Auch der Wiener Sozial- und Medienethiker Alexander Filipovic lobt die Papst-Enzyklika als gelungenen Beitrag zur aktuellen Debatte über den Umgang mit KI. "Er hat den Ton getroffen, ist nicht zu konkret geworden, aber auch nicht zu allgemein geblieben. Well done, Papst Leo", sagte er am Dienstag in einem Interview der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA). Dem Papst sei dem Papst ein "radikaler Gegenwartsbezug" gelungen – und der sei auch "an keiner Stelle peinlich oder cringe, wie man heute gerne sagt", so der KI-Experte weiter. "Und was mir auch gut gefällt: Er sagt nicht: 'Wir haben die Wahrheit und wissen, wie es geht, mit unseren unveränderlichen Prinzipien. Und die schmeißen wir jetzt auf ein Gegenwartsproblem und haben – zack – die Lösung'."
Der KI-Experte Philipp Hartmann hebt die Hinweise für die tägliche Praxis hervor. "Leo XIV. bleibt nicht bei abstrakten Mahnungen, sondern arbeitet die Auswirkungen auf konkrete Lebensbereiche heraus", sagte er im Interview mit der KNA. Hartmann unterstützt als Director AI Strategy bei appliedAI Unternehmen bei der Implementierung von KI. Auch stimme er dem Papst zu, dass der Mensch im Mittelpunkt stehen müsse. "Wer den Menschen primär als zu optimierende Ressource sieht, wird KI zwangsläufig anders einsetzen als jemand, der den Wert des Menschen als vorausgesetzt betrachtet."
"Er hat den Ton getroffen, ist nicht zu konkret geworden, aber auch nicht zu allgemein geblieben. Well done, Papst Leo", sagte Medienethiker Filipovic.
Das erste Lehrschreiben von Papst Leo XIV., die Enzyklika "Magnifica humanitas" (Großartige Menschheit), widmet sich dem Umgang mit KI. Der Papst fordert unter anderem strengere Richtlinien, ohne aber die Technologie grundsätzlich abzulehnen. Er warnt vor einer Entmenschlichung durch verfehlte Nutzung und dringt auf eine breitere gesellschaftliche Kontrolle von KI.
Kirchen reagieren positiv
Die Kirche in Deutschland nahm Leos erstes Lehrschreiben, das am Pfingstmontag erschien, mit großer Zustimmung auf. Es handle sich um "ein wegweisendes Dokument für die Menschlichkeit", sagte der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Heiner Wilmer. Der Papst habe Leitplanken für einen vernünftigen Umgang mit der KI aufgezeigt. Besonders würdigte er den Vorstoß, für Digitalisierung und KI einen Ethikkodex zu schaffen, der auf sozialer Gerechtigkeit basiert.
Auch der Weltkirchenrat hat positiv auf die Enzyklika reagiert. Die technologische Entwicklung habe eine solche Dynamik gewonnen, dass die Regeln für ihren verantwortungsvollen Umgang "nicht Schritt gehalten haben", erklärte der Moderator des Zentralausschusses des Ökumenischen Rates der Kirchen (ÖRK), der frühere Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Heinrich Bedford-Strohm, am Dienstag in Genf. Die Kirchen mit ihrer reichen Tradition der Reflexion über den Menschen hätten zum Thema Künstliche Intelligenz etwas Wichtiges zu sagen, fügte Bedford-Strohm hinzu. Er plädierte dafür, wirksame Mechanismen zum Schutz der Freiheit und der Menschenwürde vor Datenkonzernen zu etablieren, "deren Monopolmacht mittlerweile praktisch unkontrollierbar ist", betonte der frühere bayerische Landesbischof. (mtr/epd/KNA)
