Studie: KI in der Kirche verbreitet, aber ohne Strategie
Mehr als die Hälfte der Kirchenmitarbeitenden nutzen schon "Künstliche Intelligenz" für ihre Arbeit. Dabei fehlt es aber an Qualifizierung und Strategie, stellt die am Montag vorgestellte Studie zu Digitalisierung im Raum der Kichen (DiRK 2026) fest. 58 Prozent der Beschäftigten in Kirchen verwenden bereits KI-Anwendungen oder planen das. 78 Prozent geben an, keine KI-Weiterbildung absolviert zu haben. 38 Prozent der Befragten verwenden frei verfügbare KI-Tools ohne erkennbare verbindliche Richtlinien. "Unsere Befunde zeigen eine weitere Digitalisierung in den deutschen Kirchen, aber auch nach wie vor eine recht große Strategielosigkeit", ordnet Studienleiter Holger Sievert die Ergebnisse ein.
Ein Fünftel der Kirchenbeschäftigten nutzt KI, die nicht offiziell in der Einrichtung eingeführt wurde ("Schatten-KI"); fast jeder fünfte gibt an, KI-Tools auch dann weiter einsetzen zu wollen, wenn der Einsatz von der Einrichtung verboten wird. KI wird von den Befragten vor allem für Recherchen und zur Textgenerierung verwendet.
Die Nutzung von digitalen Innovationen wird den Ergebnissen zufolge weniger theologisch als pragmatisch anhand von vorhandenen Ressourcen und lokalem Bedarf begründet. Die befragten Kirchenmitglieder fordern dagegen verbindliche ethische Leitlinien für den Einsatz von KI in kirchlichen Einrichtungen (4,6 auf einer Skala bis 5) und dass die Letztverantwortung bei sensiblen Entscheidungen beim Menschen bleiben soll (4,8). Ethischer Anspruch und gelebte Realität liegen bei Themen wie KI liegen noch manchmal auseinander, stellt Sievert fest, der an der Kölner Macromedia-Hochschule Kommunikationswissenschaft lehrt. "Mit der neuen Studie hoffen wir durch aktuelle Daten beizutragen, diese Lücken künftig ein wenig mehr zu füllen", so Sievert weiter.
Mediennutzung: Webseite der Gemeinde und YouTube vorne
Neben der Nutzung von KI wurde auch die Mediennutzung abgefragt. Wie in der Vorgängerstudie ist die Internetseite der eigenen Gemeinde weiterhin das Medium, das die meisten Befragten Nutzen. 25,9 Prozent nutzen die Web-Angebote von katholisch.de und evangelisch.de. Bei den Social-Media-Angeboten liegen ebenfalls Angebote der Gemeinde mit 29,1 Prozent vorne, Accounts von Landeskirchen oder Bistum (23,3 Prozent) und von anderen kirchlichen Einrichtungen wie Verbänden, Hilfswerken, Akademien, Bildungshäusern und Ordensgemeinschaften werden von 17,8 Prozent genutzt. Die große Mehrheit (82,6 Prozent der Befragten) folgen keinen christlichen Influencern. Die am meisten genutzten Social-Media-Dienste sind YouTube (wöchentliche Nutzung durch 42,5 Prozent), Instagram (37,9 Prozent) und Facebook (30,3 Prozent). 27,7 Prozent der Befragten geben an, gar keinen Social-Media-Dienst mindestens wöchentlich zu nutzen.
Für die DiRK-Studie 2026 wurden knapp 7.200 Personen befragt. Knapp 98 Prozent der Befragten gehören einer christlichen Kirche an, davon sind 60,8 evangelisch und 31,7 katholisch. 51,9 Prozent der Befragten arbeiten in kirchlichen Einrichtungen. Fast 60 Prozent der Befragten sind im Alter von 50 bis 69 Jahren, knapp über 20 Prozent zwischen 20 und 49 Jahren. Nach Angaben der Wissenschaftler verfolgt die Studie keine vollständige Repräsentativität, erlaubt es aber, Trends und Zusammenhänge aufzuzeigen sowie vertiefte Analysen und Vergleiche einzelner Untergruppen zu ermöglichen. Erstmals wurde die DiRK-Studie 2023 durchgeführt. (fxn)
Die Ergebnisse der DiRK-Studie
Erste Ergebnisse der DirK-Studie 2026 wurden bereits veröffentlicht und sind online einsehbar.
