Schweizer Bischöfe für Verbot von Konversionstherapien
Die Schweizer Bischöfe lehnen sogenannte Konversionsmaßnahmen zur Änderung der sexuellen Identität oder Orientierung ab und unterstützen ein Verbot. Solche Maßnahmen seien "mit einem seelsorglichen Auftrag, der auf Annahme, Wahrhaftigkeit und Schutz der Person gründet, nicht zu vereinbaren", heißt es in einer am Dienstag veröffentlichten Stellungnahme der Schweizer Bischofskonferenz (SBK). "Im religiösen Kontext können solche Praktiken zu spirituellem Missbrauch werden, wenn Menschen im Namen Gottes beschämt, bedroht oder manipuliert werden."
Die Schweizer Bischöfe definieren eine Konversionsmaßnahme als "zielgerichtete Einflussnahme, die eine Person dazu bringen soll, ihre sexuelle Orientierung oder geschlechtliche Identität zu ändern oder zu unterdrücken". Dies könne mittels Druck, Schuldzuweisungen, Isolation, Abwertung oder religiöser Angst geschehen. Das christliche Menschenbild sehe jedoch die persönliche Integrität als Ebenbildlichkeit Gottes zentral an. "Wer sich in Fragen der eigenen Identität oder der Lebensgestaltung an Seelsorgende, Beratungsstellen oder Therapiestellen wendet, hat Anspruch auf Respekt, Vertraulichkeit und Freiheit."
Ergebnisoffene Seelsorge nicht kriminalisieren
Ein Verbot solle insbesondere Minderjährige und vulnerable Personen wirksam schützen. Gleichzeitig müsse es so ausgestaltet sein, dass "ergebnisoffene Seelsorge, Beratung und fachgerechte Psychotherapie nicht kriminalisiert werden". Zudem sollten Betroffene einfachen Zugang zu Unterstützung, Beratung und Beschwerdewegen erhalten.
Die Bischöfe schalten sich mit ihrer Stellungnahme in eine Debatte ein, die seit einiger Zeit im Schweizer Parlament geführt wird. In einer sogenannten Motion wurde die Regierung beauftragt, die gesetzlichen Grundlagen für ein schweizweites Verbot von Konversionsmaßnahmen bei Minderjährigen beziehungsweise jungen Erwachsenen sowie eine entsprechende Strafnorm zu schaffen. Damit solle das Anbieten, Vermitteln und Bewerben von Maßnahmen untersagt und sanktioniert werden. (mal)
