"Das ist schon ein heiliger Ernst..."

Bischof Wilmer verteidigt Wechsel von Hildesheim nach Münster

Veröffentlicht am 01.06.2026 um 12:00 Uhr – Lesedauer: 

Hildesheim ‐ Tränen im Bischofshaus und auf der Straße: Der scheidende Hildesheimer Bischof Heiner Wilmer berichtet von vielen emotionalen Reaktionen auf seinen Wechsel nach Münster. Warum er den Ruf dennoch annahm.

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Der scheidende Hildesheimer Bischof Heiner Wilmer hat seinen Wechsel nach Münster gegen Kritik verteidigt und zugleich eine positive Bilanz seiner knapp achtjährigen Amtszeit gezogen. Zwar habe ihn das Domkapitel von Münster gewählt und gefragt. Aber dahinter stehe letztlich auch der Papst, sagte der Bischof am Montag bei einer Pressekonferenz in Hildesheim. "Das ist schon ein heiliger Ernst, dem ich mich nicht entziehen kann." Zwar hätte er die Berufung ablehnen können, so der 64-Jährige weiter. "Aber ich hätte dann auch innerlich aufhören müssen als Bischof von Hildesheim." Als Bischof bitte er immer wieder Priester, Seelsorger und andere Mitarbeiter, neue Aufgaben zu übernehmen. Wer das anderen Menschen abverlange, müsse dazu auch selbst bereit sein. "Ich will morgens auch noch vernünftig in den Spiegel gucken können."

Viele Menschen im Bistum Hildesheim, zu dem knapp 500.000 Katholiken zwischen Harz und Nordsee gehören, seien traurig über seinen Weggang, sagte Wilmer. "Es gab schon auch Tränen – im Bischofshaus und auf der Straße." Zugleich zeigte sich Wilmer überzeugt, dass das Bistum ohne ihn gut weiterarbeiten werde. Er habe von Beginn an auf Teamarbeit gesetzt. Das Bistum sei finanziell solide aufgestellt und habe in den vergangenen Jahren den Mut gehabt, neue Wege zu gehen. In einem Rückblick hob Wilmer den seit 2021 laufenden Zukunftsprozess im Bistum hervor. Dabei gehe es darum, die Seelsorge stärker an den Menschen auszurichten und zugleich den Gebäudebestand zu reduzieren und das Bistum bis 2035 klimaneutral aufzustellen. Zudem verwies er auf neue Leitungsmodelle, stärkere Beteiligungsstrukturen und die Einführung neuer Beratungsgremien als Ausdruck einer synodalen Kirche.

Wilmer bekräftigt Satz zu Machtmissbrauch

An einer Aussage, mit der er kurz nach seinem Amtsantritt 2018 für Aufsehen gesorgt hatte, hält Wilmer weiterhin fest. Auf Nachfrage bekräftigte er seinen Satz, wonach der Missbrauch von Macht in der DNA der Kirche stecke. Machtmissbrauch sei allerdings kein ausschließlich kirchliches Problem. "Missbrauch von Macht gibt es nicht nur in der Kirche, sondern in allen Systemen", sagte Wilmer. Überall dort, wo Menschen Verantwortung ausübten, bestehe die Gefahr, dass Macht missbraucht werde. Mit Blick auf die Aufarbeitung sexualisierter Gewalt betonte der Bischof, das Thema werde auch nach seinem Weggang höchste Priorität behalten. Das Bistum habe dafür eine eigene Hauptabteilung geschaffen und die personellen Ressourcen deutlich ausgebaut. Die derzeit laufende dritte große Aufarbeitungsstudie werde unabhängig von seinem Wechsel fortgesetzt und voraussichtlich 2027 abgeschlossen.

Für die katholische Kirche in Deutschland kündigte Wilmer an, sich künftig als Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz (DBK) und als Bischof von Münster weiterhin für Reformthemen einzusetzen. Dazu zählten die Rolle von Frauen in der Kirche, Fragen des Pflichtzölibats, synodale Strukturen sowie die Ökumene. Diese Anliegen wolle er auch in die Gespräche auf weltkirchlicher Ebene einbringen. Der Ordensmann von den Herz-Jesu-Priestern wird am 21. Juni als neuer Bischof von Münster eingeführt. Im Februar wurde er zum Vorsitzenden der Bischofskonferenz gewählt. Bereits am Samstag wird Wilmer mit einem Gottesdienst im Hildesheimer Mariendom aus dem Bistum verabschiedet. Einen Wunsch für seinen Nachfolger in Hildesheim formulierte Wilmer ebenfalls: Das Bistum brauche einen offenen Bischof, der den Menschen "mit Sympathie und einer schönen Portion Humor" begegne. Nach seiner Einschätzung dürfte die Suche nach einem Nachfolger rund ein Jahr dauern. (KNA)

1.6., 13:20 Uhr: Ergänzt um weitere Aussagen.