Pfarrer Bruno Kant wurde 110 Jahre alt

So gelingt ein langes Leben – Weisheiten eines Priesters

Veröffentlicht am 03.06.2026 um 14:40 Uhr – Von Madeleine Spendier – Lesedauer: 

Fulda ‐ Der älteste Priester der Welt ist gestorben. Doch er hatte noch viel zu sagen. Diese zehn Lebensweisheiten von Pfarrer Bruno Kant machen deutlich, worauf es im Leben ankommt.

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Vergangene Woche ist der älteste Priester der Welt gestorben: Pfarrer Bruno Kant wurde 110 Jahre alt. Am 23. Juli hätte er seinen 76. Weihetag als Priester gefeiert. Das letzte Gespräch mit katholisch.de war vor einem halben Jahr in seinem Pfarrhaus in Löschenrod-Eichenzell, wo er bis zuletzt lebte und dort auch im Kreis seiner Familie starb. Das, was er damals im Interview sagte, sind Lebensweisheiten und Worte, die bleiben. Und vielleicht auch Tipps fürs Leben.

Beten hält jung 

Jeden Tag betete der 110-jährige Pfarrer Bruno Kant bis zuletzt mindestens eine halbe Stunde. Sein abgenutztes Brevierbuch hat es bezeugt. Das Vaterunser, den Rosenkranz und das Glaubensbekenntnis gehörten fest zu seinem Tagesablauf. Dabei war der betagte Priester zwar nicht immer andächtig, wie er sagte, manches war Schema für ihn. Dennoch war er überzeugt: "Das Beten hält mich jung." 

An Gott glauben 

"Das Entscheidende ist, dass man an den Herrgott glaubt!", meinte der kürzlich verstorbene Ruhestandsgeistliche aus Fulda. Sein Glaube war "der kostbare, der letzte Rest, der ihm geblieben ist". Er sprach oft vom "lieben Gott", der trotz allem Schwerem immer an seiner Seite war. "Wer sein Leben vor Gott, mit Gott und für Gott lebt, hat sein Leben einigermaßen sinnvoll gestaltet", war der Geistliche überzeugt. Doch habe er sich manchmal schon gefragt, wie ein Gott, der die Liebe ist, Krieg und Unglück sowie Bosheiten in der Welt zulassen könne. Auch wenn er nicht denke, dass Gott damit zu tun habe. "Ohne Glauben wäre alles sinnlos", war sich der 110-jährige Pfarrer sicher. Glaube sei eine starke Kraft und die Hoffnung, dass das Leben einen Sinn hat, dass es einen Herrgott gibt und "dass es sich lohnt zu leben".  

Das Leben als Geschenk sehen   

Pfarrer Bruno Kant sah sein Leben als Geschenk. Und gleichzeitig betonte er, dass es ihm mit allen Gegebenheiten, die er in den vielen Jahrzehnten erlebte, "auferlegt wurde von Gott". "Ich weiß nicht, warum ich so alt geworden bin", fragte er sich immer wieder. "Mir selbst kann ich das nicht verdanken, denn das Leben liegt nicht in meiner Hand". Auch habe er es sich nie ausgesucht oder darum gebeten, so alt zu werden. Schon als Kind hatte Pfarrer Bruno Kant eine Nahtoderfahrung. Er wuchs in Zoppot nahe Danzig im heutigen Polen auf, nahe an der Ostsee. Einmal ist er dort beim Spielen mit anderen Kindern am Strand beinahe ertrunken. Er hat überlebt, weil er von den Wellen wieder zurück ans Ufer gespült wurde, so erzählte man es sich in seiner Familie, berichtete seine Nichte Beate Kant. Sein Leben – ein Geschenk.   

Fehler eingestehen  

Auf die Frage, ob er versöhnt auf sein Leben zurückblickt, sagte Pfarrer Bruno Kant eindeutig: "Ja." Aber er erwähnte auch, dass, wenn er rückwärts schaue, er "nicht alles gut gemacht hat in seinem Leben, dass es da manches Versagen gab und manche Ungereimtheiten". Aber er müsse sein Leben so annehmen, wie es gekommen ist, war er überzeugt. "Meine Weltansicht ist beschränkt, mein Verstand ist auch nicht der allerbeste", stellte er fest. Er lobte sich selbst als ein "verhältnismäßig guter Schüler, der früher gute Noten in Latein, Griechisch, Englisch und Deutsch hatte".  

Das Leben annehmen  

Auf die Frage, was er Gott sagen würde, wenn er ihm nach seinem Tod begegnen würde, war, antwortete Pfarrer Bruno Kant: "Danke, danke – es wird schon alles gut so gewesen sein". Auch wenn "der Herrgott ihm manches zugemutet habe an Kreuz, an schwierigen Situationen im Krieg, in der Gefangenschaft", habe er seine immer Pflicht getan. Er wollte sein Leben "nur einigermaßen gut machen" und die Aufgaben erfüllen, die ihm übertragen wurden.  

Bild: ©katholisch.de / msp (Archivbild)

Das liebste Buch, neben seinem Brevier: Das Sudoku-Heft des vergangene Woche verstorbenen 110-jährigen Pfarrers Bruno Kant.

Beruf als Berufung  

Auf die Frage, ob er sich noch einmal für den Priesterberuf entscheiden würde, sagte der 110-jährige Pfarrer Bruno Kant deutlich: "Ja, ich habe es nie bereut." Er erinnerte sich dann an die Schießereien im Krieg, an die Zeit, als er vier Jahre in der Krim in russischer Gefangenschaft war. Diese Erlebnisse dort hätten ihn dazu motiviert, Priester zu werden. "Ich bin Priester geworden, weil ich nach all den Enttäuschungen dachte, vielleicht kannst du ja ein bisschen die Welt noch verbessern." Heute würde er "dieselbe Entscheidung wieder fällen, daran hat sich nichts geändert". Bruno Kant war 75 Jahre lang Priester und wurde am 23. Juli 1950 im Fuldaer Dom zum Priester geweiht. Noch bis vor einem Jahr hat er an diesem für ihn besonderen Tag eine heilige Messe gefeiert, zuletzt an einem Tisch in seinem Wohnzimmer. "Als Priester bin ich immer glücklich gewesen", unterstrich er.  

Bescheiden sein  

Auf die Frage, was er sich zu seinem 110. Geburtstag wünsche, sagte Pfarrer Kant: "Das will ich nicht in Betracht ziehen, das überlasse ich dem lieben Gott!" Bescheidenheit war sein Prinzip. "Ich möchte nicht über mich hinaus", so der Ruhestandsgeistliche. 

Aktiv bleiben 

Bis zu seinem 90. Lebensjahr war Pfarrer Kant aktiver Priester und feierte regelmäßig Gottesdienste in Kirchengemeinden. Bis zu seinem 102. Lebensjahr ist er sogar noch eigenständig mit dem Auto durch sein Dorf gefahren und hat Menschen besucht und ihnen die Krankenkommunion gespendet. Bis zu seinem 100. Geburtstag feierte noch regelmäßig Gottesdienste in der Kirche seiner Gemeinde. Bis kurz vor seinem Lebensende war er interessiert an kirchenpolitischen Fragen, verfolgte die Nachrichten, löste Sudoku-Rätsel, las in Büchern, machte Turnübungen und drehte mit seinem Rollator bewegte Runden in dem Pfarrhaus, in dem er umsorgt lebte.

Aufs Sterben vorbereiten  

Pfarrer Bruno Kant bereitete sich innerlich jeden Tag auf den Tod vor. So sagte er: "Ich rechne jeden Tag damit, dass ich sterben kann. Ich brauche bloß eine Schwelle hinüberzugehen in die andere Welt. Ich bin nicht weit entfernt davon." Er wirkte lebensmüde, wenn er betonte: "Jetzt ist es genug, Herrgott, es reicht. Es ist genug." Der Geistliche sah dem Tod nicht mit Schrecken entgegen: "Wenn der Herrgott mich wegholen würde, wäre es eine Gnade, ein Geschenk." Im Himmel erwartete er ein Wiedersehen mit seinen Eltern und seinen Geschwistern. Zwei von ihnen wurden sogar wie er über 100 Jahre alt. Mit 110 Jahren war Bruno Kant der älteste Priester Deutschlands und wohl weltweit.  

Dankbar sein  

Eine tiefe Dankbarkeit blieb ihm bis zuletzt ein Anliegen. Wenn er einmal beim Herrgott angekommen sei, würde er ihm sagen: "Danke, Vergelts Gott." Denn alles verdanke er "dem Herrgott, was soll ich anderes sagen als Danke". Bei dem letzten Besuch bei ihm im November 2025 bedankte er sich dann auch während des Gesprächs bei den Menschen, die bei ihm waren. Das waren seine Pflegerin aus Polen, die ihm "immer eine gute Hilfe war", mit ihm polnisch sprach und ihn mit Rezepten aus der polnischen Küche verwöhnte, seine Nichte, die sich vielfältig um ihn sorgte und kümmerte, der Pfarrer seiner Gemeinde, Gudio Pasenow, der ihm seelsorglich seit Jahren zur Seite stand, ihm regelmäßig die Kommunion brachte und ihn als Mitbrüder wertschätzte. Diese Menschen seien für ihn "eine Gnade", so der 110-jährige und er dankte auch den Menschen aus der Kirchengemeinde, der Familie, die ihn so lange begleitet haben. Der letzte Blick galt einem Bild auf der Wand: Seine Pfarrkirche. "Die ist mir immer am Herzen", wie er sagte. Seine letzten Worte bei dem Gespräch damals: "Danke für das Leben, danke für alles, was du mir alles geschickt hast, lieber Gott. Es ist alles so gut gewesen. Was soll ich anderes sagen als Danke, Danke, Danke." Es war alles "gut", soll er noch zuletzt gesagt haben. 

Von Madeleine Spendier