Komplexität des wirklichen Lebens anerkennen

Erzbischof: Keine vorschnellen Urteile über queere Katholiken

Veröffentlicht am 03.06.2026 um 14:15 Uhr – Lesedauer: 

Santa Fe ‐ Mehr Verständnis für queere Katholiken und ein sensiblerer Umgang mit komplexen Lebenswirklichkeiten: Das fordert US-Erzbischof John Wester. Zugleich warnt er die Kirche vor einfachen Antwortversuchen.

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Der Erzbischof von Santa Fe im US-Bundesstaat New Mexico, John Wester, hat die Kirche zu einem offeneren Umgang mit LGBTQ-Katholiken aufgerufen. Die Kirche müsse sich von vorschnellen Urteilen und einfachen Antworten lösen und stattdessen die "Komplexität des wirklichen Lebens" anerkennen, schrieb Wester in einem Gastbeitrag für das katholische Portal "Outreach" am Dienstag.

Dabei berichtete der Erzbischof von einer Fortbildungsreihe der katholischen LGBTQ-Organisation "New Ways Ministry", an der 17 Bischöfe teilnahmen. Ziel der Begegnungen sei gewesen, die Lebenswirklichkeit queerer Katholikinnen und Katholiken besser kennenzulernen. Mehrere Teilnehmer hätten eingeräumt, zuvor nur geringe Kenntnisse über deren Erfahrungen innerhalb der Kirche gehabt zu haben. In diesem Zusammenhang betonte Wester, dass Bischöfe manchmal davon ausgingen, sie seien die einzigen Lehrer. Die Weltsynode aber habe in Erinnerung gerufen, gemeinsam mit Nicht-Geweihten "Mitverantwortung für das Leben der Kirche" zu tragen.

Verständnis vertieft

Wester betonte, die Kirche dürfe nicht länger hinnehmen, dass sich LGBTQ-Menschen von ihr nicht gehört oder nicht willkommen fühlten. Er plädierte für eine Kultur des Zuhörens und des Dialogs. In kirchlichen Debatten bestehe häufig die Neigung, "einfache, kategorische Antworten" auf Fragen zu geben, die in Wirklichkeit mit sehr persönlichen und komplexen Lebenswegen verbunden seien.

Die Gespräche mit Theologen, Seelsorgern und queeren Katholiken hätten sein eigenes Verständnis vertieft und sein seelsorgliches Engagement gestärkt, schrieb der Erzbischof weiter. "Ich fürchte, dass wir als Kirche unseren LGBTQ-Brüdern und -Schwestern nicht nahe genug kommen; wir gehen nicht gemeinsam den gleichen Weg", erklärte er. Besonders die Erfahrungen von transgeschlechtlichen und nichtbinären Menschen gäben Anlass zur Sorge. Viele von ihnen hätten den Eindruck, dass ihnen innerhalb der Kirche mit Misstrauen oder Feindseligkeit begegnet werde. Nach den Worten des Erzbischofs von Santa Fe steht die Kirche vor der Aufgabe, pastorale Wege zu entwickeln, die den Anliegen der Gläubigen von heute mit größerem Mitgefühl und mehr Aufmerksamkeit begegnen. (mtr)