Oberhirte ringt mit den Tränen

Bischof Wilmer in Hildesheim verabschiedet – "Sind nicht die Chefs"

Veröffentlicht am 06.06.2026 um 12:10 Uhr – Lesedauer: 

Hildesheim ‐ Von Niedersachsen nach Westfalen: Der Abschiedsgottesdienst von Bischof Heiner Wilmer in Hildesheim war festlich-emotional. Klar wurde, was der Vorsitzende der Bischofskonferenz als künftige Aufgabe sieht.

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Im vollbesetzten Mariendom hat sich Bischof Heiner Wilmer vom Bistum Hildesheim verabschiedet – mit einem Appell, ruhig und bescheiden zu bleiben. "Es kann nicht darum gehen, dass wir den anderen die Ansage machen 'so und so habt ihr zu leben'", sagte Wilmer, der am 21. Juni als neuer Bischof von Münster eingeführt wird, in seiner Predigt. Es gelte, ruhig und bescheiden zu bleiben: "Wir sind nicht die Chefs, die Herren eures Glaubens, sondern Gehilfen eurer Freude."

Im zweiten Korintherbrief von Paulus werde das Ziel formuliert, dass alle Menschen ein Leben in Fülle haben sollten, so der neue Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz. Das bedeute, dass Kirche das aufnehmen müsse, was die Menschen hier und jetzt bewege. "Die Tradition ist heilig", doch man dürfe "nicht nur von früher erzählen". Die Kirche sei im Wandel und müsse selbst "ein Stück Brot werden", so Wilmer: "Denn im Kleinen lebt die Größe".

Nach der Messe bekam Wilmer unter anderem einen Setzling für einen Rosenstock in Münster geschenkt – der tausendjährige Rosenstock am Hildesheimer Dom gilt als Wahrzeichen von Stadt und Bistum. Er habe sich in Hildesheim "pudelwohl" gefühlt, sagte Wilmer, und dankte Mitarbeitenden, Gläubigen und Engagierten, die den Glauben "oft unspektakulär, aber echt" lebten. "Es fällt mir nicht leicht zu gehen", sagte Wilmer abschließend und rang sichtlich mit den Tränen: "Ich gehe mit vielem, das mir geschenkt wurde."

Großes Interesse am Wilmer-Abschied

Im Februar war der Ordensmann von den Herz-Jesu-Priestern zum Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz gewählt geworden. Zusätzlich verfolgten rund 450 Menschen die zweistündige Messe im Livestream. Im Anschluss gab es auf dem Domhof die Möglichkeit, sich persönlich vom Bischof zu verabschieden.

Am Montag hatte Wilmer, der knapp acht Jahre Bischof von Hildesheim war, betont, die Aufarbeitung sexualisierter Gewalt werde auch nach seinem Weggang höchste Priorität behalten. Nach seiner Einschätzung dürfte die Suche nach einem Nachfolger für Hildesheim rund ein Jahr dauern.

Für die katholische Kirche in Deutschland kündigte der 65-Jährige an, sich weiterhin für Reformthemen einzusetzen. Dazu zählten die Rolle von Frauen in der Kirche, Fragen des Pflichtzölibats, synodale Strukturen sowie die Ökumene. Diese Anliegen wolle er auch in die Gespräche auf weltkirchlicher Ebene einbringen. (KNA)