Papst Leo XIV. wendet sich in Spanien gegen Populismus und Polarisierung
Papst Leo XIV. hat sich in seiner ersten Rede in Spanien gegen die Versuchung gewandt, mit dem Schüren von Polarisierungen Popularität zu gewinnen. Statt "fruchtloser Vereinfachungen" gelte es die Komplexität der gesellschaftlichen Wirklichkeit anzuerkennen, sagte er am Samstag vor Politikern und Diplomaten im Königspalast in Madrid.
Dies sei eine "besondere Berufung für Europa" und ein Geschenk an die Welt: "Die Vielschichtigkeit schätzen und ergründen, lernen, sie nicht zu leugnen und sie als Segen anzunehmen, jenen identitären Ansätzen entfliehen, die alles zu erklären scheinen, aber die Welt mit Gespenstern und Feinden bevölkern."
Spaniens Geschichte lehre, "dass nicht die Kultur der Konfrontation, sondern die der Begegnung Stabilität und Wohlstand schafft", sagte der Papst auch unter Verweis auf die historische Präsenz des Islam auf der Iberischen Halbinsel und den Dialog zwischen Christen, Muslimen und Juden. Die katholische Kirche sei bereit, "sich in den Dienst der Zukunft eines Volkes zu stellen, das nach Versöhnung und Frieden sucht".
"Seite an Seite"
Leo XIV. warnte, im digitalen Zeitalter verschärften sich Vorurteile, während kritisches Denken geschwächt werde. Er verlangte einen Kurswechsel bei Investitionen in Bildung und Forschung sowie in die Zivilgesellschaft. Sicherheit entstehe, wenn man lerne, "gemeinsam mit anderen voranzugehen, gemeinsam zu wachsen, Seite an Seite".
Ohne Basken und Katalanen beim Namen zu nennen, rief er dazu auf, "die Forderungen nach Autonomie und Einheit in Einklang zu bringen". Die Spanier sollten "den Prozess der europäischen Einigung vorantreiben – nicht im Gegensatz zu anderen Mächten, sondern als Geschenk für die ganze Menschheitsfamilie".
Die erste Rede des Papstes in Spanien wurde mit stehendem Applaus bedacht. König Felipe VI. hatte zuvor in einer Begrüßungsrede das Eintreten des Papstes gegen sexuellen Missbrauch in der Kirche gelobt. (KNA)
