Nicht mehr Selbstverständlichkeit wie früher

Bonifatiuswerk: Austen würdigt bewussteren Umgang mit Kirche

Veröffentlicht am 07.06.2026 um 11:52 Uhr – Lesedauer: 

Köln/Paderborn ‐ Seit 40 Jahren ist er Priester, seit knapp 20 Jahren widmet er sich vor allem der Seelsorge in Diaspora-Gebieten: Georg Austen spricht über Veränderungen in Kirche und Gesellschaft.

  • Teilen:

Mit oder ohne Kirche – dass diese Entscheidung heute oft bewusst gefällt wird, findet der Generalsekretär des Bonifatiuswerks, Georg Austen, positiv. "Auch in der Seelsorge gibt es nicht mehr diese Selbstverständlichkeit, die uns damals geprägt hat", sagte er im Interview des Portals domradio.de am Sonntag. Als er Priester wurde, sei man schräg angeguckt worden, wenn man sonntags nicht zur Kirche ging – "heute wird man angeguckt, wenn man zur Kirche geht".

So gewinne der Glaube im Alltag an Kontur, sagte der 67-Jährige, der soeben 40 Jahre Priesterweihe gefeiert hat. "Man kann heute selbst in katholisch geprägten Gebieten sehr allein sein im Glauben. Die Inhalte des Glaubens, die Verbindung dazu, waren uns damals viel näher, ungefragter, alltäglicher. Heute ist das oftmals herausfordernder, aber ich glaube auch manchmal realistischer, vielleicht sogar ehrlicher."

Zur steigenden Zahl an Kirchenaustritten sagte Austen, hinter jedem solchen Schritt stehe eine Lebensentscheidung, die mit Respekt und Sensibilität aufzunehmen sei: "Da sollten wir erst einmal hinhören, was für Gründe es gibt." Auch gehe es nicht nur um Zahlen, sondern um einen Dialog mit dem einzelnen Menschen. "Ich glaube nicht, dass diese Menschen alle ungläubig geworden sind, sie bleiben ja auch getauft."

Folgen für Glaubensalltag

Dies könne Folgen für den Glaubensalltag haben, betonte der Theologe: "Wir begegnen ihnen bei Beerdigungen, bei Taufen, bei kulturellen Festen. Wo können wir ihnen dann in aller Sensibilität aber auch in aller Offenheit sagen: Wir respektieren deine Entscheidung, aber es gibt auch für dich Angebote, um die Verbindung zum Glauben nicht zu verlieren, unsere Kirche lädt dich auch weiter ein."

Es mache ihm Hoffnung, wenn Menschen, die mit Kirche bislang keine Berührung hatten, nach dem Glauben fragten und auf der Suche nach Sinn seien – und dass Menschen für Freiheit, Menschenwürde und Demokratie einstünden. Austen: "Hoffnung macht mir auch, dass wir, ob in ökumenischer Zusammenarbeit oder auch als Weltkirche versuchen, die Welt nicht allein zu lassen. Angesichts all der Veränderungen müssen wir für unsere Haltungen und Werte einstehen." (KNA)