Wie Mission gelingt

Kölner Regens: Evangelisierung soll Vertrautes nicht zerstören

Veröffentlicht am 09.06.2026 um 11:55 Uhr – Lesedauer: 

Köln ‐ Wie kann Evangelisierung heute gelingen? Der Kölner Regens Regamy Thillainathan mahnt Rücksicht auf die Menschen und Geduld an – und untermauert das kirchengeschichtlich.

  • Teilen:

Der Kölner Regens Regamy Thillainathan warnt davor, Evangelisierung vor allem als Frage von Methoden und Formaten zu verstehen. Entscheidend sei nicht zuerst, wie die Kirche Menschen erreiche, sondern was geschehe, wenn Menschen mit ihren bisherigen Erfahrungen, Hoffnungen und Fragen Christus begegneten, schreibt der Kölner Geistliche in einem Beitrag für die Zeitschrift "Communio".

Thillainathan erinnert an Papst Gregor den Großen. Dieser habe im 6. Jahrhundert Augustinus von Canterbury zur Mission nach England gesandt. In einem Brief habe Gregor angeordnet, heidnische Tempel nicht abzureißen, sondern zu reinigen. Götzenbilder sollten entfernt, Altäre errichtet und Reliquien dort aufbewahrt werden. Der Ort blieb also bestehen, bekam aber eine neue Bedeutung. Darin sieht Thillainathan einen wichtigen Hinweis für heute.

Achtsamkeit bei Evangelisierung

Evangelisierung müsse Rücksicht nehmen: "Wer dem Menschen alles nimmt, was ihm bisher Halt gegeben hat, nimmt ihm oft auch jenen inneren Zugang, an dem sein Herz ansprechbar wird", schreibt er. Zugleich gehe es nicht darum, alles einfach stehen zu lassen oder christlich zu übermalen. Falsche Bindungen müssten überwunden werden. Evangelisierung bedeute deshalb Verwandlung: Das Vertraute werde nicht zerstört, sondern auf Christus hin geöffnet.

Thillainathan sieht darin auch eine Herausforderung für die Gegenwart. "Viele Menschen leben nicht bewusst gegen Gott, sondern in Realitäten, in denen Gott nicht mehr vorkommt." Religiöse Sprache sei verschwunden, doch die Suche bleibe. "Darum muss Evangelisierung lernen, verschüttete Sehnsucht freizulegen, statt nur gegen eine Welt zu sprechen, die Gott vielfach eher vergessen als ausdrücklich verworfen hat."

Geduld bei Mission

Auch Geduld gehört für Thillainathan zur Mission. Gregor habe gewusst, dass Glaube nicht durch Druck wachse. Die Kirche könne daher Räume öffnen, aber Glauben nicht erzwingen, schreibt Thillainathan weiter. Mission beginne oft nicht mit Sicherheit, sondern mit Überforderung. Das zeige auch Augustinus von Canterbury, der zunächst gezögert habe, den Weg nach England fortzusetzen.

Glaubwürdig werde Evangelisierung dort, "wo Menschen spüren, dass das Evangelium nicht nur gesagt, sondern gelebt wird". Die Kirche dürfe ihre Botschaft nicht entschärfen, solle Menschen aber in ihrer konkreten Lebenswelt aufsuchen. Entscheidend sei, ob sie darauf vertraue, dass Menschen auch dort für Christus offen werden können, wo die Sehnsucht nach Gott verschüttet scheint. (KNA)