Papstbesuch als Ermutigung

Kardinal beklagt gescheiterte Glaubensvermittlung

Veröffentlicht am 09.06.2026 um 11:50 Uhr – Lesedauer: 

Madrid ‐ Vermittlung des Glaubens durch Familie und das Bildungssystem? Das funktioniert längst nicht mehr, beklagt der Erzbischof von Madrid. Doch es gibt auch Stärken in der Kirche Spaniens.

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Der Madrider Erzbischof, Kardinal José Cobo, beklagte die gescheiterte Vermittlung des Glaubens in Spanien. Zu sehr sei man davon ausgegangen, dass der Glaube in der Familie und durch das Bildungssystem weitergegeben werde. "Das ist heute nicht mehr der Fall", erklärte Cobo gegenüber dem US-amerikanischen Jesuitenmagazin "America". Zudem gebe es noch andere Schwierigkeiten in der Kirche Spaniens, etwa den Dialog der Kirche mit der Welt. Die Sprache reiche dafür nicht aus oder es fehle die Fähigkeit, die eigene Sprache zu verändern, um sich besser in der Welt auszudrücken.

Dennoch sieht der Erzbischof eine Stärke in der Suche nach Transzendenz und die Präsenz der Kirche durch die Gemeinden und die Volksfrömmigkeit. "Sie ist tief in Gesellschaft und Kultur verwurzelt", so Cobo weiter. Seit Samstag bereist Papst Leo XIV. Spanien. Neben dem Zusammentreffen mit den spanischen Bischöfen traf das Oberhaupt von 1,4 Milliarden Katholiken unter anderem das spanische Königspaar, Missbrauchsbetroffene und hielt eine Rede vor dem spanischen Parlament. Zur Spanienreise sagte der Kardinal, dies sei ein wichtiger Moment der Ermutigung: "Im Kern brauchen wir alle etwas Gemeinsames, etwas, das über Politik, Ideologien und Partikularinteressen hinausgeht." Gemeinsames Handeln inspiriere die Menschen und wecke das Potenzial, wie auch den Wunsch, einen Beitrag innerhalb der Gesellschaft zu leisten.

Zunehmende Polarisierung

Unterdessen äußerte sich der Kardinal auch zum Thema Missbrauch. Dies sei "eine Wunde für die gesamte Weltkirche und auch für die Kirche in Spanien". Man beschäftige sich in Spanien seit Langem mit dem Thema. Das Erzbistum von Madrid unterhalte in diesem Zusammenhang seit acht Jahren ein Projekt zur Unterstützung von Missbrauchsbetroffenen. Dies habe dazu geführt, nicht nur minderjährige Betroffene in den Blick zu nehmen, sondern "das gesamte Spektrum". Cobo forderte daher eine ganzheitliche Betreuung von Betroffenen und betonte, dass der Papst sich all dessen bewusst sei.

Darüber hinaus übte der Kardinal Kritik an der zunehmenden Polarisierung aller Lebensbereiche: Die Kirche könne hier eine wichtige Rolle spielen, vor allem in der Frage, wie sie sich für das Gemeinwohl und die Menschenwürde einsetzen könne, wenn Menschenrechte eingeschränkt und die Demokratie an vielen Fronten untergraben werde. Cobo steht seit 2023 an der Spitze des Erzbistums von Madrid. Papst Franziskus (2013–2025) nahm ihn im gleichen Jahr in das Kardinalskollegium auf. Zudem ist er Vizepräsident der Spanischen Bischofskonferenz. (mtr)