Standpunkt

In Sachen "Tauf-Boom" brauchen die Bischöfe einen wachen Blick

Veröffentlicht am 11.06.2026 um 00:01 Uhr – Von Christoph Paul Hartmann – Lesedauer: 

Bonn ‐ Deutsche Bischöfe fahren wegen des vorgeblichen "Tauf-Booms" nach Frankreich. Dort ist aber Vorsicht geboten, kommentiert Christoph Paul Hartmann. Denn nicht alles lässt sich übertragen.

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Eine Delegation der Deutschen Bischofskonferenz ist in dieser Woche in Frankreich, um sich abzugucken, was dort anders läuft als hierzulande. Denn in Frankreich lassen sich seit einiger Zeit vermehrt Erwachsene taufen. Obwohl ein Blick über den Tellerrand immer eine gute Idee ist, ist Vorsicht geboten: Zwar sprechen manche von einem "Tauf-Boom", aber es ist keiner – und französische Verhältnisse lassen sich nur schwer auf Deutschland übertragen.

Das hat nicht zuletzt damit zu tun, dass in Frankreich deutlich weniger Babys getauft werden als in Deutschland. Wenn sich von diesen vielen Ungetauften irgendwann einige wenige im Erwachsenenalter entscheiden, sich einer Kirche anzuschließen, sorgt das auf den ersten Blick für hohe absolute Zahlen – im Verhältnis sind die Zahlen dennoch niedrig. Daraus lässt sich auch erklären, weshalb es in Deutschland ein solches Phänomen nicht so ausgeprägt gibt.

Zudem ist der gesellschaftliche Kontext in Frankreich ein anderer. Nicht wenige der Neugetauften gaben in einer Umfrage an, "die christlichen Wurzeln Frankreichs" entdecken zu wollen. Viele Täuflinge kommen aus Großstädten wie Paris und Marseille, in denen es sichtbare muslimische Minderheiten gibt. Identitäre Selbstvergewisserung spielt da nochmal eine andere Rolle als in Deutschland.

Nichtsdestoweniger gibt es aber auch Faktoren, die grenzüberschreitend relevant sind: Not lehrt beten, heißt es so schön – und in einer Zeit, wo von heute auf morgen Kriege vom Zaun gebrochen und massenweise Jobs durch KI vernichtet werden, wird die Frage nach dem Sinn auch für junge Menschen relevanter. Und auch unter Influencern gibt es einige, die den Glauben als Teil der Lebensbewältigung anbieten und damit ein großes Publikum gewinnen – auch abseits der Kirchen.

Wenn die Deutschen also in die "grande nation" fahren, wünscht man ihnen einen wachen Blick: Zu unterscheiden, was wichtige Impulse für die Kirche in Deutschland und was Eigenheiten Frankreichs sind. Denn voneinander zu lernen gibt es sicher viel.

Von Christoph Paul Hartmann

Der Autor

Christoph Paul Hartmann ist Redakteur bei katholisch.de.

Hinweis

Der Standpunkt spiegelt ausschließlich die Meinung der Autorin bzw. des Autors wider.