Man habe sich in Ämterfrage verstrickt

Kardinal Kasper: Deutschsprachige Theologie ist christologievergessen

Veröffentlicht am 14.06.2026 um 11:58 Uhr – Lesedauer: 

Wien ‐ Kardinal Walter Kasper sieht Defizite beim theologischen Diskurs in Deutschland. Er ermutigt zu einer Rückbesinnung auf die Wurzeln: Jesus Christus müsse im Mittelpunkt stehen.

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Die deutschsprachige Theologie ist nach Ansicht des deutschen Kardinals Walter Kasper in weiten Teilen christologievergessen. "Man hat sich verstrickt in ekklesiologischen Themen und der Ämterfrage. Das ist aber viel zu eng. Es wäre wichtig, zur Mitte der christlichen Theologie und den christologischen Fragen zurückzukommen", sagte er der Wiener Presseagentur Kathpress.

Gewiss seien die Kirche betreffenden Fragen wichtig, aber im Mittelpunkt einer christlichen Antwort auf die Sehnsucht der Menschen nach Hoffnung und Sinn müsse Jesus Christus stehen, mahnte der Kardinal. Er hielt sich dieser Tage zur Präsentation des neuen, gemeinsam mit dem Wiener Dogmatiker Jan-Heiner Tück verfassten Buches "Jesus Christus auf der Spur" in Wien auf.

Kardinal gegen Theologie "auf der grünen Wiese"

Theologie müsse sich immer wieder neu ihrer Wurzeln und Quellen versichern - und dazu zähle zentral die Christologie, so Kasper weiter. "Man kann keine Theologie neu auf der grünen Wiese bauen. Wir stehen in einer großen Tradition und haben ein lebendiges Erbe."

"Diese Tradition ist unser Schatz, den wir immer wieder hervorholen müssen", so der 93-Jährige. "Wir stehen auch in der Theologie auf den Schultern von Riesen – den Kirchenvätern, den Theologen des Mittelalters." Hier würde er sich auch aus christologischer Sicht mehr Traditionsbewusstsein und ein neues Schöpfen aus diesen Quellen wünschen.

Kritik am Synodalen Weg

Gerade in Deutschland stelle er in der Theologie jedoch eine Verengung auf ekklesiologische Fragen fest: "Man hofft, damit die ganzen Probleme der Kirche lösen zu können, indem man sie demokratischer macht", so Kasper mit Blick auf das deutsche Reformprojekt Synodaler Weg. Er sei nicht gegen Mitbestimmung in der Kirche." Aber es sei "theologisch grundfalsch" zu meinen, Kirche und die notwendige Erneuerung des Glaubens ließen sich so herstellen.

Eine Stärkung der Christologie gehe nicht ohne die Einfühlung in die biblische Erzählkultur. Nur durch gewissenhafte Bibellektüre und die Einfühlung in die neutestamentlich geschilderten Situationen könne es gelingen, "Freundschaft mit Christus" zu schließen. (KNA)