Bislang keine Mitwirkenden gefunden

Bistum Dresden-Meißen startet Aufarbeitungskommission ohne Betroffene

Veröffentlicht am 17.06.2026 um 13:55 Uhr – Lesedauer: 

Dresden ‐ Ein Jahr nach der Auflösung der gemeinsamen Kommission: Das Bistum Dresden-Meißen will eine neue Kommission zur Missbrauchsaufarbeitung gründen – daran wirken zunächst keine Betroffenen mit.

  • Teilen:

Das Bistum Dresden-Meißen bildet eine Kommission zur Aufarbeitung von sexuellem Missbrauch – allerdings erst einmal ohne Betroffene. Das erklärte das Bistum am Mittwoch auf Anfrage der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA). Wann sich die Kommission konstituiert und ihre Arbeit aufnimmt, wurde nicht mitgeteilt. Zudem sei eine Studie zu Missbrauchsfällen im Bistum zwischen 1945 und der Gegenwart in Auftrag gegeben worden, deren Ergebnisse in etwa einem Jahr vorgestellt werden sollen.

In der künftigen Aufarbeitungskommission seien Plätze für Betroffene vorgesehen, doch habe sich bislang kein Betroffener gefunden, der zur Mitarbeit bereit sei, so das Bistum. Daher blieben diese Plätze vorerst vakant. Das Bistum hofft, noch Mitwirkende zu finden, da "ohne eine Beteiligung der Betroffenensicht eine wirkliche Aufarbeitung nicht möglich ist", wie es hieß.

Auflösung Aufarbeitungskommission vor einem Jahr

In einem bislang bundesweit einmaligen Vorgang hatten vor einem Jahr das Erzbistum Berlin, die Bistümer Dresden-Meißen und Görlitz sowie die Militärseelsorge ihre gemeinsame, zwei Jahre bestehende Aufarbeitungskommission aufgelöst. Mehrere Mitglieder des Gremiums waren zuvor zurückgetreten. Betroffenenvertreter hatten anhaltende kommunikative Probleme und eine schwierige Arbeit beklagt. Das Bistum Dresden-Meißen entschied sich im Nachgang, eine eigene Aufarbeitungskommission zu gründen.

Den Angaben zufolge beauftragte das Bistum Historiker Bernd Schäfer, anhand der bistumseigenen Unterlagen und Quellen sowie staatlicher Archive und Akten der Staatssicherheit der DDR die Missbrauchsfälle an Kindern, Jugendlichen und Schutzbefohlenen im Bistumsgebiet zusammenzustellen. Dabei werde auch der institutionelle Umgang mit diesen Fällen dokumentiert und analysiert. Diese Studie solle für die Arbeit der Aufarbeitungskommission eine belastbare Faktengrundlage bieten.

Schäfer war zwischenzeitlich vom früheren Betroffenenbeirat Ost in die dann aufgelöste gemeinsame Aufarbeitungskommission als Mitglied entsandt worden. Nach Unstimmigkeiten berief ihn der Betroffenenbeirat jedoch nach einem halben Jahr wieder ab. (KNA)