Was, wenn Bündnis- oder Verteidigungsfall eintritt?

Kirchen würdigen Notfallseelsorge – 32.000 Einsätze bundesweit

Veröffentlicht am 18.06.2026 um 15:30 Uhr – Lesedauer: 

Erfurt ‐ 32.000 Einsätze, 10.000 Helfende: Unmittelbar nach Unfällen, plötzlichen Todesfällen und Katastrophen hilft die Notfallseelsorge. Beim Bundeskongress in Erfurt werden auch Szenarien für Krisen- und Bündnisfälle beraten.

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Notfallseelsorgende waren im vergangenen Jahr bundesweit rund 32.000-mal im Einsatz. Etwa 10.000 haupt- und ehrenamtliche Mitarbeitende begleiteten Betroffene in den ersten Stunden nach schweren Unfällen, plötzlichen Todesfällen, Naturkatastrophen und anderen Großschadensereignissen. "Das Versorgungsnetz ist derzeit flächendeckend gut, aber wenn etwa ein sogenannter Bündnis- oder gar Verteidigungsfall eintritt, dann braucht es definitiv mehr Kräfte", sagte der Vorsitzende der Bundeskonferenz Katholische Notfallseelsorge, Stephan Koch, am Donnerstag in Erfurt beim ökumenischen Bundeskongress Notfallseelsorge und Krisenintervention mit rund 300 Teilnehmenden.

Der Vorsitzende der Konferenz Evangelische Notfallseelsorge, Dirk Wollenweber, ergänzte, im Bündnisfall, wenn Deutschland etwa Drehkreuz für Truppen- und Verletztentransporte sowie Kriegsflüchtlinge werde, wäre die Notfallseelsorge etwa bei der Überbringung von Todesnachrichten gefordert oder beim Erstkontakt mit Traumatisierten. "Wir bringen hier aus unserer bisherigen Arbeit eine besondere Expertise mit, da wir ein bestimmtes Vokabular haben und auch immer schon mit anderen Hilfsorganisationen zusammenarbeiten", so Wollenweber. Derzeit spielten sich 95 Prozent der Notfallseelsorge-Einsätze im innerhäuslichen Bereich ab, etwa bei der Akut-Betreuung von Menschen, die Angehörige tot auffinden.

Bischöfin bewundert Mitgefühl und Professionalität

Die Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Bischöfin Kirsten Fehrs, würdigte den Einsatz der Notfallseelsorgenden: "Ich stehe bewundernd davor, mit welchem Mitgefühl und welcher Professionalität zugleich die Notfallseelsorgenden diesen brachialen Schmerz von Menschen mit aushalten, für die von einem Moment auf den anderen die Welt zusammenbricht." Das trage auch zu einer gesellschaftlichen Resilienz bei.

Der Erfurter Weihbischof Reinhard Hauke, in der Deutschen Bischofskonferenz (DBK) für das Thema zuständig, erklärte: "Notfallseelsorge zeigt Kirche in einer ihrer wichtigsten Aufgaben: Menschen in existenziellen Krisen beizustehen. Besonders dankbar sind wir für die vielen Ehrenamtlichen, die sich für diesen Dienst qualifizieren lassen und ihn mit großer Verlässlichkeit ausüben." – Noch bis Freitag beraten rund 300 Fachleute aus Kirche, psychosozialer Notfallversorgung, Wissenschaft und Praxis im evangelischen Augustinerkloster über die Zukunft der Notfallseelsorge. (KNA)