Leo XIV. würdigt verstorbenen Kardinal Ruini im Petersdom

Papst Leo XIV. hat den langjährigen Vorsitzenden der Italienischen Bischofskonferenz, Kardinal Camillo Ruini, als "weisen und fürsorglichen Hirten der Herde Christi" gewürdigt. "Er verstand es, das Volk Gottes und seine Mitbrüder im Bischofsamt in wichtigen und heiklen Momenten zu führen und begegnete vielfältigen Herausforderungen mit Leidenschaft, Urteilsvermögen und Mut", sagte er am Donnerstag im Petersdom.
"Wir verdanken ihm Erkenntnisse und Initiativen, die den Weg der kirchlichen und zivilen Gemeinschaften tiefgreifend geprägt haben", so der Papst bei der Trauermesse für Ruini. Der Kardinal, über Jahrzehnte eine der prägendsten Persönlichkeiten der Kirche Italiens, war am Dienstag im Alter von 95 Jahren gestorben.
Dialogbereite Präsenz auf vielen Ebenen
Ruini habe sich für den Beitrag der katholischen Welt in den verschiedenen Bereichen des religiösen, zivilen und politischen Lebens in Italien engagiert, betonte Leo XIV. Der Gestorbene habe mit "einigen der großen Heiligen der Neuzeit" zusammengearbeitet, so das Kirchenoberhaupt mit Blick auf die heiliggesprochenen Päpste Paul VI. (1963–1978) und Johannes Paul II. (1978–2005). Italiens Kirche ebenso wie das Bistum Rom verdankten ihm viel.
Der im norditalienischen Modena geborene Ruini gehörte als Stellvertreter des Papstes für das Bistum Rom von 1991 bis 2008 zu den engsten Mitarbeitern von Johannes Paul II. und später von Benedikt XVI. Zugleich leitete er bis 2007 die Italienische Bischofskonferenz mit ihren fast 200 Bistümern. Mit seinem Tod umfasst das Kardinalskollegium noch 241 Männer, 117 von ihnen sind unter 80 Jahre alt und wären damit in einem möglichen Konklave stimmberechtigt.
Große politische Veränderungen in Italien
In seiner Zeit durchlief Italien große Veränderungen wie den Zerfall der Partei "Democrazia Cristiana", der jahrzehntelangen Verbündeten der katholischen Kirche des Landes. An die Stelle des katholischen Blockdenkens setzte Ruini danach das "kulturelle Projekt" einer kirchlichen Durchdringung von Staat und Gesellschaft jenseits der Parteigrenzen.
Nach dem Niedergang der Christdemokraten Mitte der 90er Jahre stützte Ruini Ministerpräsident Silvio Berlusconi (1936-2023). 2010 machte Papst Benedikt XVI. den emeritierten Kardinal 2010 zum Leiter einer Untersuchungskommission für die Vorgänge im Marienwallfahrtsort Medjugorje in Bosnien-Herzegowina. Nahezu bis zuletzt meldete sich Ruini zu aktuellen Vorgängen zu Wort. (KNA)