Airbnb im Pfarrhaus: Streit um Gäste und Mieteinnahmen

Der Wunsch nach einem offenen Pfarrhaus machte einen schweizerischen Pfarrer kreativ: Wie das kirchliche Internetportal kath.ch am Donnerstag berichtete, vermietete der Geistliche im Kanton Zürich über die Plattform Airbnb Zimmer im Pfarrhaus. Das kontroverse Thema wurde aktuell bei einer Kirchgemeindeversammlung diskutiert.
Auf Nachfrage von kath.ch bestätigen der Kirchenpflegepräsident und der Pfarrer selbst, dass er ein Gästezimmer mit separatem Bad an Gäste vermietet habe. Das Gästezimmer liege innerhalb der Pfarrwohnung, im oberen Stockwerk des Pfarrhauses. Der Kirchenpflegepräsident bemängelt, dass die offenbar über einen längeren Zeitraum stattfindenden Vermietungen zuvor nicht genehmigt worden seien. Der Pfarrer selbst hingegen besteht darauf, die damalige Kirchenpflege über sein Vorhaben informiert zu haben.
Außerdem wurde offenbar ein separates Studio vermietet, das eigentlich als Wohnung für Aushilfspfarrer gedacht war. Die Kirchenpflege bemängelt, dass Airbnb-Gäste Zugang zum im gleichen Haus untergebrachten Pfarrsekretariat haben könnten, in dem vertrauliche Unterlagen aufbewahrt werden: "Die Beherbergung einer großen Anzahl wechselnder Gäste in einem Gebäude mit administrativen Funktionen der Kirchgemeinde wirft Fragen hinsichtlich Organisation, Vertraulichkeit und Sicherheit auf."
Wo ist das Geld?
220 Gäste-Rezensionen bei Airbnb deuten darauf hin, dass die Zimmer für mindestens 220 Übernachtungen zu einem Preis von 69 Franken pro Nacht vermietet waren. Unklar ist, wer für die Gästenutzung der Infrastruktur des Pfarrhauses im Eigentum der Kirchgemeinde aufgekommen ist – und was mit den Mieteinkünften geschehen ist.
Aktuell sind die Airbnb-Angebote verschwunden. Seit einem entsprechenden Hinweis der Kirchenpflege vor etwa einem Jahr nehme er nur noch privat Gäste auf, sagte der Pfarrer kath.ch. Was er bedauere, denn: "An meinem Küchentisch haben in dieser Zeit immer wieder interessante und spannende Gespräche stattgefunden" – mit Christen, Hindus, Muslimen, Buddhisten und Atheisten. (KNA)